Recht

QR-Code und Totalitarismus

Brandzeichen des TotalitarismusDas Brandzeichen des Totalitarismus

Scheinbar harmlose Formen technischer Normierung, etwa der QR-Code, sind Bausteine, mit deren Hilfe die technokratische Dystopie errichtet wird.

von Tom-Oliver Regenauer

Der QR-Code: Spätestens seit der Coronakrise ist er jedem bekannt. Auch den Senioren. Viele assoziieren das omnipräsente schwarz-weiße Quadrat auf Dokumenten, Objekten und Displays mit einem unguten Gefühl. Mit Kontrolle und Überwachung, mit „Track & Trace“. Denn als im Zuge der vermeintlichen Pandemie in vielen Ländern 2G- und 3G-Zugangsreglements galten, entschied besagter Code über Teilnahme oder Nichtteilnahme am sozialen Leben. Restaurant, Fitness-Studio, Einzelhandel, Flugzeug, Hotel — Zugang nur noch nach Vorlage beziehungsweise nach Einscannen des QR-Codes. In der No-COVID-Hochburg China bestimmt die zweifarbige Digitalfußfessel seither den Alltag eines ganzen Volkes. Nicht einmal Nahrungsmittel erhält man im technokratischen „Reich der Mitte“ ohne das grafisch an ein Labyrinth erinnernde Mal der Unterdrückung. Mittlerweile scheint aber auch die chinesische Bevölkerung die Gängelei der allmächtigen Partei leid zu sein. Seit einigen Tagen eskalieren im ganzen Land Proteste. Die Regierung stampft unterdessen unbeirrt ein riesiges COVID-Isolationscamp nach dem anderen aus dem Boden.

Die Chinesen rebellieren gegen ein System und dessen Herrschaftsinstrument. Gegen das digitale Brandzeichen (*), das die Herde verwaltbar macht. Rinder tragen es zumeist auf dem Allerwertesten, der Homo sapiens auf dem Smartphone. Schon in dem 1949 von den US-Erfindern Norman Woodland und Bernard Silver entwickelten Vorgänger — dem Barcode (Strichcode) — sahen nicht wenige Menschen das „Malzeichen des Tieres“, ein Symbol jener dunklen, endzeitlichen Macht, die gen Ende der Zeit allen Erdbewohnern ihren von bösen Mächten getriebenen Willen aufzuzwingen sucht.

Mystisch aufgeladene Verschwörungstheorien ranken sich seit jeher um das Thema. Auch wenn relativ einfach nachvollziehbar ist, dass die im Okkultismus bedeutsame Zahlenfolge „666“ nicht wie häufig postuliert Teil eines jeden Strichcode-Etiketts sein kann. Das Gerücht hält sich dennoch hartnäckig. Selbst die Nachrichtenagentur Reuters berichtete noch im Jahr 2007 darüber, wie Hunderte gottesfürchtige Menschen in Russland neue Ausweise ablehnten, weil diese mutmaßlich die satanischen Ziffern enthielten. Doch auch ohne in Mystik, Numerologie und okkulte Sphären vorzudringen, zeigt ein genauerer Blick auf die optoelektronische Registrationsmaschinerie unserer Zeit, dass die damit einhergehende Effizienzsteigerung, dass der Zugewinn an Bequemlichkeit durchaus seinen Preis hat. Auch wenn vermeintliche Innovationen wie die QR-Rechnung, die in der Schweizer Finanzindustrie bereits Standard ist, zunächst Simplifizierung verheißen.

Entwickelt wurde der QR-Code im Jahr 1994 von der japanischen Firma Denso, einem seit 1949 eigenständig operierenden Spin-off des Toyota-Konzerns. Der maximale Informationsgehalt eines solchen Quick-Response-Codes beträgt 23.648 Bit. Das entspricht 7.089 Dezimalziffern, 4.296 alphanumerischen Zeichen oder 1.817 chinesischen Schriftzeichen. Daneben weisen die kryptisch wirkenden Codes eine hohe Fehlertoleranz auf. Das bedeutet, dass Scanner sie noch lesen können, auch wenn bis zu 30 Prozent der Information nicht mehr vorhanden ist. Das macht den QR-Code zur perfekten Basis für digitale Identifikationssysteme (eID) und Geldbörsen (Wallets). Nicht umsonst basieren Projekte wie ID2020 von GAVI, Microsoft, Bill Gates und der Rockefeller Foundation oder das 2019 vom Weltwirtschaftsforum (WEF) mit Geld der Rockefeller-Stiftung gegründete The Commons Project auf dieser Entwicklung.

Die Verwendung des QR-Codes ist lizenz- und kostenfrei. Die Spezifikationen wurden von Denso offengelegt und werden seither von der 1946 in London gegründeten und seit 1949 in Genf/Schweiz ansässigen „Internationalen Organisation für Normung“ (ISO) verwaltet. Die ISO ist eine Nachfolgeorganisation der bereits im Jahre 1926 gegründeten ISA (International Federation of the National Standardizing Associations), die bis 1942 bestand und sich um die internationale Standardisierung von nichtelektronischen Technologien kümmerte.

Noch früher, nämlich bereits im Jahr 1904, wurde in St. Louis/USA der Grundstein für die „International Electrotechnical Commission“ (IEC) gelegt, die seit 1948 aber ebenfalls in Genf residiert und an globalen Synergien von Elektronik und Elektrotechnik arbeitet. Lanciert, organisiert und finanziert wurden die internationalen Normierungsbemühungen seit Anbeginn des 20. Jahrhunderts vor allem von der Großindustrie. Namen wie Siemens, Standard Oil (Rockefeller), J.P. Morgan oder Harvard University begegnet man in den entsprechenden Dokumenten immer wieder.

Ein Arbeitspapier der „MIT Sloan School of Management“ vom Januar 2007, das sich mit der Gründung der ISO beschäftigt, führt diesbezüglich an:

„Wenn auch unauffällig, gehört das Setzen von Standards zum A und O der Globalisierung des Industriekapitalismus seit seinen Anfängen und sorgt dafür, dass alles zusammenpasst, was zusammenpassen muss. Von Produkt zu Produkt, von Branche zu Branche und von Land zu Land. (…) In den letzten beiden Jahrzehnten wurden freiwillige Standardisierungsprozesse, erfunden um die Jahrhundertwende von Ingenieuren, die in nationalen und internationalen technischen Gremien arbeiten, zunehmend auf Felder angewendet, die nur noch wenig mit der Montage eines mechanischen Teils zu tun haben, zum Beispiel auf Arbeitsprozesse (ISO 9000), Umweltverschmutzung (ISO 14.000) und Menschenrechte (SA 8000, ISO 26000). Dieser schnell wachsende Anwendungsbereich, plus die hohe Sichtbarkeit von Standards in vernetzten Bereichen wie der Telekommunikation, hat zu neuem Interesse an Standardsetzungspraktiken geführt.“

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Es geht um die „Vermessung der Welt“, zeitigt aber weniger pläsierliche Momente als die Lektüre des gleichnamigen Romans von Daniel Kehlmann. Denn wie der Vielreisende im Alltag leicht festzustellen vermag, hat ein Jahrhundert der Standardisierung, Normierung und Harmonisierung nicht dazu geführt, dass man zum Beispiel weltweit gleiche Steckdosen vorfindet — das wäre ja praktisch, keine Frage. Zusammengewachsen sind vor allem internationale Konzernstrukturen, Zahlungssysteme, Interbankenprozesse, Transportwege, Geheimdienste, Militär und Datensammelstellen.

So unscheinbar und bürokratisch die Aufgaben von Nichtregierungsorganisationen wie ISA, ISO oder IEC erscheinen, so fundamental sind deren Bemühungen und Ergebnisse für eine supranational operierende Technokratie.

Festzuhalten ist darüber hinaus, dass auch die Standardisierung der Welt — wie so viele Globalisierungsprozesse — ihren Ursprung im Vereinten Königreich des ausgehenden 19. und angehenden 20. Jahrhunderts nahm. In Kreisen der angelsächsischen Hochfinanz um Cecil Rhodes, Alfred Milner, Montagu Norman, der Bank of England, der Fabian Society oder dem englischen Königshaus, die allesamt eine Weltregierung unter britischer Ägide beschworen, eine Wiederauferstehung des „Empire“, wie unzählige Originaldokumente aus diesem Zeitraum belegen.

Heute hat die Globalisierung der Banken- und Konzernoligarchie ein Level erreicht, das den Nationalstaat de facto obsolet macht. Das Netzwerk der „Global Governance“ dirigiert über internationale Abkommen, verwobene Partnerschaften und transatlantische Regelwerke, die sich jeglichem demokratischen Einfluss entziehen. Die nächste Etappe auf dem Weg zum orwellschen Überwachungsstaat dürfte die Einführung digitaler Zentralbankwährungen darstellen.

Und auch dafür sind — neben Disruption, die den Wandel erpresserisch alternativlos erscheinen lässt — Normierungsprozesse erforderlich. Vor allem für die Konversion von Nationalwährungen im internationalen Zahlungsverkehr und Interbankengeschäft.

Das zeigen die Pilotprojekte der 1930 etablierten Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Zentralbank der Zentralbanken mit Sitz in Basel, die nach dem Ersten Weltkrieg zunächst als Reparationsbank fungierte und deutsche Annuitäten an die verschiedenen Gläubiger verteilte. Heute ist die BIZ ein Privatunternehmen auf exterritorialem Gebiet, dessen Mitarbeiter diplomatische Immunität genießen. Mitgegründet wurde die BIZ von Hjalmar Schacht, ehemals NSDAP-Mitglied, Präsident der Reichsbank und Reichswirtschaftsminister unter Hitler. Schacht kam bei den Nürnberger Prozessen trotz exponierter Stellung im Dritten Reich erstaunlich glimpflich davon und gründete bereits 1953 die Deutsche Außenhandelsbank Schacht und Co. Anschließend arbeitete er international erfolgreich als Finanzberater und veröffentlichte Bücher.

In den 1960ern wurde er Mitglied der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik. Und noch 1967 hielt Schacht ein wirtschaftspolitisches Referat auf dem Parteitag der nationalistischen Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD), einem wilden Sammelbecken für Nationalisten, die sich zum Teil vom Naziregime distanzierten, und Ex-Nazis wie den ehemaligen Reichsleiter der Hitlerjugend Wolf Schenke. Schacht starb im Jahr 1970 in München. Seine Tochter, Cordula Schacht, ist bis heute die offizielle Nachlassverwalterin von Joseph Goebbels. Und die AUD ging später in den Grünen auf — was zum Hintergrund des 2003 verstorbenen Grünen-Gründers Baldur Springmann passt, einem NSDAP-, SA-, SS-Mitglied und „strammen Nazi“, wie ihn das Hamburger Abendblatt in einem Artikel vom April 2020 bezeichnete.

Extremistische Ideologien sind augenscheinlich schon immer Kernelement der machtgrünen „DNA“ — egal welchem politischen Spektrum sie entspringen. Vielleicht haben die Parteifunktionäre der Postmoderne aus diesem Grund keine Gewissensbisse bei der Implementierung eines neuen totalitären Herrschaftsmodells und der Neuauflage von Kulturrevolution. Das würde erklären, warum die rot-grüne Bundesregierung als willfähriger Vasall des digital-finanziellen Komplexes, von NATO-Hegemonie und Globalisten-Philanthropie agiert und „das beste Deutschland aller Zeiten“ zum europäischen Abbild Chinas verkommt.

„Es ist möglich, einzelne Gesellschaften über einen gewissen Zeitraum zu kontrollieren und disziplinieren, aber nicht die ganze Welt die ganze Zeit“ (Report: Scenarios for the Future of Technology and International Development, Rockefeller Foundation 2010, Lock Step, Seite 20).

9/11 bot die Rechtfertigung für den Ausbau des Überwachungsstaates. Die Finanzkrise 2008 lieferte die nun noch hoffnungsloser überschuldeten Nationalstaaten endgültig dem supranationalen Bankenkartell aus. Die mutwillig amplifizierte Pandemie lieferte Gründe, um den Antiterrorkampf zur Biosicherheitsdoktrin auszubauen und die Autonomie des Individuums endgültig zu untergraben.

Und entweder Krieg, Finanzcrash oder die vom Weltwirtschaftsforum (WEF) in Aussicht gestellte Cyber-Pandemie werden als Argument für die Einführung der neuen Digitalwährung herhalten müssen. Das Abhängigkeit herstellende Bürgergeld — als Vorbote des paternalistischen Kollektiv-Staates — wird ja bereits vorbereitet.

Und auch in den USA arbeitet man fieberhaft am finalen Werkzeug administrativer Unterdrückung, dem digitalen Dollar. Am 15. November 2022 gab das Innovation Center der New Yorker Federal Reserve Bank bekannt, einen zwölf Wochen andauernden Testlauf für digitales Zentralbankgeld zu starten — zusammen mit den wichtigsten Großbanken und Finanzinstitutionen im Lande: Citi, HSBC, SWIFT, Mastercard, Wells Fargo et cetera. Edward Snowden, der NSA/CIA-Whistleblower, kommentierte die Meldung bei Twitter kurz und bündig mit den Worten: „Es beginnt.“

Wahrscheinlich ist es Zufall, dass die spektakuläre Pleite der Krypto-Plattform FTX, ein als DeFi- (Decentralized Finance) und Investment-Unternehmen getarntes Ponzi-Schema, die das Vertrauen in den unregulierten Krypto-Markt nachhaltig erodieren wird, genau in diesen Zeitraum fällt — und das mit Sicherheitsversprechen hausieren gehende, staatliche Digitalgeld-Projekt dadurch in einem besseren Licht erscheinen lässt. Denn in Anbetracht des erstaunlich pünktlich mit Joe Bidens Präsidentschaft beginnenden FTX-Betrugs schwellen die Rufe nach mehr Regulierung des Krypto-Marktes im US-Kongress natürlich sofort merklich an. So gewinnt der digitale Dollar an Sympathien in der Bevölkerung., obwohl er für den Normalbürger nur Nachteile mit sich bringt. Problem — Reaktion — Lösung. Hegel’sche Dialektik. Simpel wie effektiv in puncto Social Engineering.

Leider verhält es sich mit Zentralbankwährungen wie mit Bitcoin: Kaum jemand hat sich mit den Details beschäftigt. Die meisten regierungskritischen Geister assoziieren CBDCs (Central Bank Digital Currencies, digitale Zentralbankwährungen) mit etwas Negativem, denn sie werden von den Zentralbanken ausgegeben und verwaltet — Bitcoin und andere Kryptowährungen dagegen gelten als dezentral, hip und zentrales Werkzeug des Libertarismus. Weit gefehlt.

Denn erstens sind Bitcoin und Co weder anonym noch sicher oder Inbegriff des Dezentralen, eher eine PSYOP (psychologische Operation); zweitens existieren Dutzende verschiedener Formen von Zentralbankwährungen. Und nicht alle führen direkt in die am Ende aber tatsächlich zu erwartende Finanzknechtschaft. Zum Beispiel kooperiert das US-Unternehmen Ripple, das die beliebte Kryptowährung XRP entwickelt und auf den Markt gebracht hat, mit der Europäischen Zentralbank, um den digitalen Euro voranzutreiben. Gleichzeitig entwickelt es eine plattformübergreifende „PayID“. Technokratie mit coolem Blockchain-Start-up-Image also.

Auf der anderen Seite existieren durchaus CBDC-Konzepte, die praktikable Ansätze verfolgen und anonyme Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen, also den direkten Wertetransfer zwischen zwei nichtkommerziellen Marktteilnehmern. Darüber hinaus herrscht im Bankensektor keinesfalls Einigkeit darüber, ob man nun digitale Zentralbankwährungen einführen sollte oder nicht — denn die Geschäfts- und Privatbanken sehen sich durch den monetären Paradigmenwechsel im Kerngeschäft bedroht und befürchten, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Man muss sich also eingehender mit der Materie beschäftigen, um die Situation korrekt einschätzen zu können, muss den Unterschied zwischen „Wholesale-CBDC“ und „Retail-CBDC“ verstehen. Präzision ist elementar für den öffentlichen Diskus zum Themenkomplex. Denn wenn kritische Kreise lediglich undifferenziert vor der einen „bösen Zentralbankwährung, die uns alle versklaven wird“ sprechen, gereicht ihnen das langfristig nicht zum Vorteil.

Sollte nämlich im ersten Schritt eine weniger totalitäre Digitalwährung eingeführt werden als prognostiziert, straft das die wohlmeinenden Mahner unnötig Lügen. Auch wenn sie am Ende recht behalten werden: Denn setzt sich die Menschheit nicht friedlich zur Wehr, führt der aktuelle Kurs in einen digitalen Gulag.

In Australien bekamen Coronamaßnahmenkritiker bereits im Oktober 2021 Besuch von der örtlichen Polizei, wenn sie regierungskritische Demonstrationen bei Facebook bewarben — womit das schlichte „Teilen“ der Facebook-Events gemeint ist, nicht wilder Aktionismus. Die Beamten standen kurz nach dem verhängnisvollen Klick mit einem Papierausdruck des betreffenden Beitrags vor der Haustür und nahmen manch einen Delinquenten zum Verhör mit auf die Wache.

In Kanada fror die Regierung im Februar 2022 Tausenden Demonstranten, namentlich Fernfahrern, die sich friedlich gegen COVID-Maßnahmen positionierten, die Bankkonten ein oder konfiszierte deren Trucks. Diese tiefrote Linie staatlicher Übergriffigkeit überschritt nun auch die neue Regierung Brasiliens, wo man Menschen, die die Rechtmäßigkeit der Abwahl des vorherigen Präsidenten Jair Bolsonaro öffentlich anzweifelten, kurzerhand den Zugriff auf ihr Bankkonto sperrte.

Bisher sperrt man „nur“ Nonkonformisten den Twitter-, Facebook- oder YouTube-Account, das PayPal- oder Bankkonto. Irgendwann werden diese Prozesse aber jeden Bürger betreffen. Auch jene Gutgläubigen, die sich passend zur Windrichtung eifrig um die Fahne sammeln. Spätestens dann, wenn es nicht mehr nur um Corona geht, sondern den individuellen CO₂-Fußabdruck, werden sie merken, dass Freiheit nie gewährt wird, sondern immer erstritten werden muss.

Im Lichte der hier beleuchteten Umstände ist es mehr als bedenklich, dass die Staats- und Regierungschefs der G20 unlängst verkündeten, digitale Gesundheitspässe künftig zur Voraussetzung für internationales Reisen machen zu wollen. Zum einheitlichen, globalen Standard.

In der Bali-Erklärung der G20-Konferenz vom 15. und 16. November 2022 wird dieser Eingriff in fundamentale Grundrechte der Bevölkerung euphemistisch unter dem hehren Ziel von „sicherer weltweiter Mobilität“ vermarktet. Der Gesundheitsminister Indonesiens, Budi Gunadi Sadikin, erklärt, was unter den Wohlfühlfloskeln genau zu verstehen ist:

„Lassen Sie uns ein digitales Gesundheitszertifikat einführen, anerkannt von der WHO. Wenn sie vollständig geimpft oder getestet worden sind, können sie reisen. (…) Wir werden das bei der nächsten Weltgesundheitsversammlung in Genf als Reform der internationalen Gesundheitsvorschriften vorschlagen.“

Es braucht nicht allzu viel Imaginationsvermögen, um sich vorzustellen, wie rasch aus einem global standardisierten Gesundheitspass eine bequeme Smartphone-App wird, die auch den elektronischen Ausweis enthält und mit den Social-Media-Accounts sowie dem eigenen CBDC-Zentralbankkonto verknüpft ist. Noch weniger Fantasie ist vonnöten, um sich auszumalen, welchen Grad von direktem Einfluss die Kontrolleure dieser integrierten Anwendungen damit über das Leben des Einzelnen erhalten — und wie skrupellos sie diese Kontrolle zum eigenen Machterhalt ausüben werden.

So avanciert der unscheinbare QR-Code unmerklich zum Fahrschein in Richtung Totalitarismus. Zur Eintrittskarte für das algorithmische Getto der schönen neuen Weltordnung von morgen.

Wie grotesk diese allenthalben ist, zeigt ein Vorgang vom 16. November 2022, der einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Am besagten Tag machte ein Video des diesjährigen World Government Summit im Internet die Runde. Besser gesagt: die Reaktion der Video-Plattform YouTube auf den entsprechenden Ausschnitt. Denn während der seit 2013 regelmäßig in Dubai stattfindende Weltregierungsgipfel ein reales Event ist und eine offizielle Webseite nebst ausführlichem Wikipedia-Eintrag vorzuweisen hat, kennzeichnete YouTube einen offiziellen, unverfälschten, auf dem eigenen YouTube-Kanal des Gipfels publizierten Mitschnitt der Paneldiskussion zum Thema „Sind wir bereit für eine neue Weltordnung?“ mit dem automatischen wie zensorischen Hinweis:

„Die Neue Weltordnung ist eine Verschwörungstheorie, die von einer heimlich entstehenden, totalitären Weltregierung ausgeht.“

____

(*) Siehe auch Moderne Brandzeichen und Dossier CBDC


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 03.12.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Digitalisierung im Gesundheitswesen

Digitalisierung im Gesundheitswesen wird insbesondere seit „Corona“ stark vorangetrieben. Handelt es sich um eine langfristige Strategie?

Digitalisierung im Gesundheitswesen

[aartikel]3864893518:right[/aartikel]Haben Sie schon von der elektronischen Patientenakte, dem elektronischen Impfpass und ähnlichen Entwicklungen im Gesundheitswesen gehört? Ahnen Sie, was da auf Sie zukommt?

Unlängst erschien im WESTEND-Verlag zu diesem Problem das Buch „Digitalisierte Gesundheit“. Zwei Ärzte, ein Befürworter und ein Gegner argumentieren ausführlich, was aus ihrer Sicht für oder gegen die Digitalisierung im Gesundheitswesen spricht.

Norbert Häring hat sich bemüht, beide Standpunkte nachzuvollziehen und für sich ein Fazit zu ziehen. In drei Teilen ananlysiert er:

1. Pro Digitalisierung – Argumente des Arztes und ehemaligen Präsidenten der Landesärztekammer von Schleswig-Holstein, Franz Bartmann

  • Elektronische Patientenakte
  • Elektronisches Rezept
  • Andere Länder als Erfolgsmodelle?
  • Erfolgreiche Digitalisierungsprojekte
  • Sein Resümee: Windmühlen statt Mauern bauen
  • Was mich überzeugt hat, und was nicht

2. Contra Digitalisierung – Argumente des Psychiaters und Psychotherapeuten Andreas Meißner

  • Es geht auch datenschonender
  • Ausschluss der Öffentlichkeit
  • Sicherheit nicht zu gewährleisten
  • Nutzloser Datenfriedhof?
  • Kommerzielle Interessen dominieren
  • Freiwilligkeit hat bald ausgedient

3. Pläne von Gematik und Weltwirtschaftsforum (anstatt eines Resümees) – von Norbert Häring

  • Gematik-Chef macht Telematik-Infrastruktur schlecht
  • Weltwirtschaftsforum markiert das Ziel
  • Nachtrag (13.9): Domestizierung der Ärzte


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Künstliche Intelligenz
Allgemein

Technokratie als neue Normalität

Die Ideologie der Zeitenwende

Die Technokratie ist der gemeinsame Nenner aller destruktiven Entwicklungen der „neuen Normalität“.

von Tom-Oliver Regenauer

Es ist schwer, einen Namen für das zu finden, was sich seit spätestens zwei Jahren zuträgt. Sozialismus, Kollektivismus, Korporatismus, Überwachungskapitalismus, Bioethik, Eugenik oder Transhumanismus sind Schlagworte, die derzeit zur Charakterisierung einer globalen Transformation bemüht werden, obwohl all den genannten Begriffen die gleiche inhumane Ideologie zugrunde liegt: Technokratie. Es ist die Idee einer konsumgesteuerten, technizistischen Kontrolle der Welt. Diese Ideologie erstickt alles Leben unter einem lückenlosen Geflecht aus Informations- und Datenverarbeitung, in welchem kein Platz mehr für Kreativität und Spontaneität liegt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten die ersten Vordenker an diesem Konzept. Was in den Köpfen einer Avantgarde entstand, stieß schon bald in Kreisen der Hochfinanz auf reges Interesse. Und spätestens mit dem Beginn der „neuen Normalität“ manifestierten sich diese Konzepte in der Alltagsrealität der Menschen. Überwachung, Tracking, Erfassung und die Gewinnung einer regelrechten Datenflut, die die hungrigen Algorithmen speist. Am Horizont dieser Entwicklung stehen die „Agenda 2030“ sowie die UN-Nachhaltigkeitsziele. Beide warten mit scheinbar harmlosen und unterstützenswerten Vorhaben auf. Doch bei näherer Betrachtung entpuppen sich diese vorgeschobenen Intentionen als Tarnung, unter der sich die wirklichen Absichten verbergen. Intendiert ist die Errichtung einer digital-totalitären Welt, in welcher jeder Mensch von der Wiege bis ins Grab erfasst, bewertet und ab dem Zeitpunkt, da er für die Maschinerie nicht mehr verwertbar ist, entsorgt wird. Mit Blick auf China erhalten wir einen bitteren Vorgeschmack darauf, was für ein technokratischer Albtraum dem Rest der Welt blühen könnte.

Es sind disruptive Zeiten. Die biometrische Sicherheitsdoktrin des „New Normal“ streut und wuchert sukzessive, einem bösartigen Gehirntumor gleich, in alle Winkel der Zivilgesellschaft. Die Vorbereitungen für die nächste Eskalationsstufe laufen. Auch wenn das Coronaregime gerade eine kurze Sommerpause einlegt. Das gesichtslose Bürokratie-Imperium der Global Governance wächst mit jeder Krise unaufhörlich weiter und nährt sich an Untätigkeit, Unwissen und Passivität in weiten Teilen der Bevölkerung. Inflation und Lieferengpässe verschärfen sich zusehends.

Korporatistische Zirkel stimmen unterdes ihre weitere Vorgehensweise zur Transformation der Welt im Rahmen abgeschotteter Konferenzen in Davos, Genf und Washington ab. Und in der Ukraine brodelt weiterhin ein militärischer Konflikt, dessen aktuellen Status niemand genau zu bestimmen vermag, da es keine unabhängige, objektive Berichterstattung aus der Region gibt. Der korrupte, rechtsradikale Clan um Wolodymyr Selenskyj hat die Medien gleichgeschaltet, die Opposition abgeschafft und sämtliche Frontgebiete für ausländische Journalisten abgeriegelt.

Das Damoklesschwert eines Dritten Weltkrieges hängt besorglich tief über den Köpfen der Menschheit. Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, wie weit sich die Eskalationsspirale an Russlands Grenzen noch drehen wird. In den USA bereitet man sich jedenfalls für die schlimmsten Szenarien vor und probt offiziell den atomaren Ernstfall. Vom 16. Mai 2022 bis zum 20. Mai 2022 führte die NNSA (National Nuclear Security Administration) die Katastrophensimulation „Cobalt Magnet“ durch. Mehr als 30 staatliche Dienste waren an der Übung beteiligt, die nach Angaben der NNSA die Kulmination einer 18-monatigen Planung darstellte. Während sich die Welt also Anfang des Jahres 2021 noch vollständig im Bannstrahl der Coronakrise befand, begann man in Amerika bereits, sich auf einen potenziellen Atomkrieg vorzubereiten.

Eigentlich sollte man davon ausgehen dürfen, dass Gesundheits- und Wirtschaftskrisen, humanitäre Katastrophen und eskalierende Kriege den internationalen Politikbetrieb veranlassen würden, vernünftige Lösungen zu finden, um die Bevölkerung vor weiterem Unbill zu schützen. Doch ist das Gegenteil der Fall. Anstatt sich für seine Wähler zu engagieren, buckelt das regierende Panoptikum der Nationalstaaten vor supranationalen Strukturen des internationalen Korporatismus. Vorgeblich demokratische Regierungen machen sich zum willfährigen Erfüllungsgehilfen totalitärer Allmachtsfantasien einer neofeudalen Oligarchie.

So mag das Agieren der Politik zunächst plump und hilflos wirken, auf manchen vielleicht sogar ernsthaft bemüht, schlussendlich ist das Versagen nationalstaatlicher Administration aber Programm. Denn die vermeintlichen Volksvertreter verschärfen durch ihr miserables Krisenmanagement genau jene Probleme, die elitäre Interessengruppen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren suchen.

Je intensiver das Vertrauen in den Nationalstaat, seine Handlungsfähigkeit und demokratischen Prozesse erodiert, umso größer die Politikverdrossenheit der Bürger, desto einfacher haben es supranationale Agitatoren und oligarchische Herrschaftskonstrukte, für die Landesgrenzen und nationale Gesetze schon lange keine Rolle mehr spielen. So spielt das zunehmende Chaos jenen in die Karten, die daran arbeiten, den Planeten einer umfassenden Transformation zu unterziehen. Und die nimmt gerade erst richtig Fahrt auf.

Die Frage ist: Wohin geht die Reise? Betrachtet man die rein politische Ebene der aktuellen Entwicklungen, besteht aller Grund zu Annahme, dass Zentralismus, Kollektivismus und ein korporatistischer Sozialismus die revidierte, multipolare Weltordnung unter Aufsicht überstaatlicher Organe prägen werden.

Der anonymisierte, bürokratische Totalitarismus dieser nahen Zukunft kennt keine Partizipation. Das Individuum geht konform in der Masse auf — oder verstoßen unter.

Politische Systeme wie Sozialismus, Kommunismus oder Faschismus sind allerdings immer nur Ausdruck, Resultat oder Auswuchs eines ideologischen Überbaus. Sie bedingen das entsprechende Gesellschaftsmodell. Wie Inquisition und Kreuzzüge nur das sinistre Ergebnis klerikal verblendeter Feudalherrschaft des Mittelalters waren, ist der heraufziehende Digitaltotalitarismus lediglich Ausdruck von fundamentaleren Überzeugungen, denen die entsprechenden Entscheidungsträger anheimgefallen sind.

Daher gilt es zu ergründen, welche Ideologie die herrschenden Strukturen unserer Zeit dazu motiviert, die Welt einem in Dystopie mündenden „Reset“ zu unterziehen. Denn schon der chinesische General, Militärstratege und Philosoph Sun Tzu wusste:

„Wer den Feind und sich selbst kennt, braucht die Ergebnisse von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

Dass es sich um eine äußerst inhumane Zukunft handelt, in der gesichtslose Autoritäten, Algorithmen, QR-Codes, Maschinen und Implantate den Menschen dominieren, wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren überdeutlich. So werden Eugenik und Transhumanismus häufig als ideologische Motive einer herrschenden Kaste angeführt, die sich existenziell von freier Meinungsäußerung, Pluralismus, Kreativität und vor allem Überbevölkerung bedroht sieht. Und tatsächlich dürften eugenische Ansätze eine nicht unwichtige Rolle bei den Planungen der globalistischen „Superclass“ spielen.

Denn die Bioethik, ein Forschungsfeld, dem im Zuge der Corona-Krise eine zentrale Rolle zukam, ist nichts anderes als eine euphemistische Umetikettierung für längst vergessen geglaubte Ideen von Rassenlehre, Depopulation und Euthanasie. Entsprechende Informationen habe ich bereits in einem ausführlichen Artikel zum Thema Bioethik vom 5. März 2022 zusammengetragen. Selbst der englische Guardian berichtete noch in einem Beitrag vom 1. Mai 2019 über die verstörende Geschichte der „Eugenik und die Herrenrasse der Linken“.

Auch der Transhumanismus schlägt in diese Kerbe und steht im Kern für die Abschaffung des Homo sapiens.

Das Ideal der Transhumanisten ist der Cyborg — ein genetisch und technologisch modifiziertes Mischwesen, eine Art Kentaur aus Mensch und Maschine. In seiner finalen Ausprägung ist dieses Geschöpf mit der Cloud oder einer Matrix verbunden und teilt ein kollektives Bewusstsein mit seinen Artgenossen.

Vergleichbar den „Borg“, einem kriegerischen Volk bei „Star Trek“, das seine Feinde assimiliert, statt sie zu töten. Die „Borg“ tragen Nanoroboter im Körper, die autonom funktionieren und bei Bedarf DNA umschreiben, neue Technologie im Körper des Cyborgs erzeugen oder das Immunsystem verändern, um beispielsweise neue Krankheiten zu bekämpfen.

Der Transhumanismus insinuiert also eine Zukunft, die dem Science Fiction Epos sehr nahekommt und zweifelsohne eine ernsthafte Bedrohung für die Spezies Mensch darstellt — darüber habe ich ebenfalls bereits in Texten vom 11. Dezember 2021 sowie 28. Mai 2022 geschrieben — aber auch die Ziele dieser Denkschule reichen für sich genommen nicht aus, um die tiefer gehenden Motive, die zu einer vollumfänglichen Restrukturierung der Welt durch eine neofeudale Sekte von ein paar Tausend Superreichen führt, zu erklären.

Denn Transhumanismus und Eugenik verfolgen primär das Ziel, den Homo sapiens selbst zu verändern, seine Evolution und sein Fortpflanzungsverhalten zu steuern. Technokratie dagegen ist ein holistisches Konzept zum verbrauchsgesteuerten Management der Welt, das die vorgängig genannten Ziele einschließt, aber weit darüber hinaus geht. Das wird klar, wenn man den Blick in die Vergangenheit richtet und die grundlegende Ideologie der technokratischen Bewegung beleuchtet.

Diese Hintergründe finden derzeit bedauerlicherweise wenig Beachtung, obwohl sie fundamentale Erklärungen für die transformativen Prozesse in Gesellschaft, Wirtschaft, Technologie und Politik seit den 1950er-Jahren und vor allem für die vergangenen zweieinhalb Jahre offerieren.

Die technokratische Bewegung begann mit der Gründung der „Technical Alliance„ (Technologische Allianz) im Jahr 1919 in New York City. Der Zusammenschluss von anfangs 15 Ingenieuren, Wissenschaftlern und Technikern machte sich unter der Leitung des zwielichtigen Howard Scott zunächst zur Aufgabe, die Verschwendung des kapitalistischen Systems zu dokumentieren. Der Konservatismus und die florierende Wirtschaft der 1920er-Jahre kamen dem Vorhaben allerdings in die Quere. Es mangelte an politischer Unterstützung. Kapitalismuskritik passte nicht zum Zeitgeist. So löste man die Gruppe bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung und unvollendeter Dinge wieder auf.

Doch Howard Scott gab sich nicht geschlagen. Er war getrieben vom Gedanken, die ultimative Lösung zu finden, und von seinem Geltungsdrang als „Emporkömmling von Greenwich Village“ ohne anerkannte akademische Bildung. Er wollte die Welt neu organisieren. So gründete er gemeinsam mit M. King Hubbert, den er Anfang der 1930er-Jahre kennenlernte, im Jahre 1933 die „Technocracy Incorporated“. Hubbert hatte erst kurz davor begonnen, an der „Columbia University“ zu arbeiten.

Die Eliteuniversität schien den radikalen Ideen der technokratischen Vordenker etwas abgewinnen zu können. Scott und Hubbert durften sich mit ihrer neuen Unternehmung auf dem Campus in New York einrichten. Fortan teilte sich die „Technocracy Incorporated“ ein ganzes Stockwerk mit dem noch kleinen Team des 1911 gegründeten Unternehmens IBM, das bereits der Entwicklung des modernen Computers auf der Spur war — und parallel die deutschen Nationalsozialisten massiv unterstützte, unter anderem bei der Transportlogistik.

Der Chicago Tribune berichtete im Jahr 2001, wie die Hollerithmaschinen den strategischen Partnern von IBM in Nazi-Deutschland dabei halfen, die unzähligen Bahntransporte zu organisieren, die KZ-Häftlinge in Viehwaggons zu den diversen Vernichtungslagern transportierten. Leider sind viele der entsprechenden IBM-Unterlagen aus jener Zeit auf mysteriöse Art und Weise aus Bibliotheken und Archiven verschwunden, sodass Details und Umfang der Förderung von Nazi-Deutschland durch IBM nur noch lückenhaft zu rekonstruieren sind. Mit Scott und Hubbert verstand sich das IBM-Team an der Columbia Universität aber vermutlich prächtig. Denn es handelte sich wohl bei beiden Teams um eine Ansammlung von genialen bis wahnsinnigen Nerds, die ihrer Zeit in vielem weit voraus war.

Im Jahr 1933 publizierten die Technokraten ihr Konzept in Form eines Dokumentes mit dem Titel „Introduction to Technocracy“. Dieses gilt als Bibel der technokratischen Ideologie und markiert bis heute das Fundament, auf dem die Bewegung fußt. Und nach dem Börsencrash von 1929 fielen die Ideen von Scott und Hubbert nun auch auf fruchtbaren Boden. Die vom „Schwarzen Donnerstag“ ausgelöste Weltwirtschaftskrise hatte das Vertrauen gegenüber dem kapitalistischen System nachhaltig zerstört. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lechzten nach neuen Ideen und Lösungen für die sozioökonomische Misere. Die Technokratiebewegung erlebte einen veritablen Boom.

Überall in den Vereinigten Staaten gründeten sich Ortsgruppen, die regelmäßige Treffen organisierten. Das Magazin The Technocrat wurde aufgelegt. In der Hochphase zählte die Bewegung allein an der Ostküste der USA über eine halbe Million offizielle Mitglieder. Die Ideologie expandierte rasch nach Kanada, Deutschland und viele andere Länder. Nach 1948 flaute die Begeisterung für das Thema etwas ab. Trotzdem betreibt die „Technocracy Incorporated“ bis heute eine eigene Website, gibt einen monatlichen Newsletter heraus und organisiert Konferenzen.

Anhand dieser Geschichte könnte man annehmen, es handele sich beim Konzept der Technokratie um die Ausgeburt von ein paar avantgardistischen Wissenschaftlern und Utopisten, die außer ein paar netten Theorien nichts zustande gebracht haben. Doch weit gefehlt. Denn auch wenn die ursprüngliche Bewegung an Momentum verlor, Ortsgruppen aufgelöst und Printmagazine eingestellt wurden, hatte die Ideologie der verbrauchsgesteuerten Kontrolle der Welt Anhänger in den höchsten Kreisen gefunden. Hochfinanz und Geostrategen in der US-Politik realisierten sehr früh, dass ihnen mit der technokratischen Ideologie ein Werkzeug an die Hand gegeben wurde, mit dem sie ihre totalitären Visionen von Monopolismus, Hegemonie und Bevölkerungskontrolle auf globaler Ebene umsetzen konnten.

So beschlossen die Finanzoligarchen der US-Hegemonie schon in den 1930er-Jahren, China zum Versuchslabor für das Modell einer technokratischen Gesellschaft zu machen — zur perfekten, weil unsichtbaren und gesichtslosen Diktatur, zum bürokratisch-digitalen Monster. Im Zuge der Nixon-Administration wurde intensiv an der Öffnung Chinas gen Westen gearbeitet. Vorgeblich, um das Land in seiner ökonomischen Entwicklung zu unterstützen. Henry Kissinger, enger Vertrauter der Rockefeller-Dynastie, reiste in diesem Zeitraum mehrfach in die Volksrepublik und etablierte vertrauensvolle Kontakte mit der chinesischen Führung.

Doch nicht nur die Rockefellers waren an China interessiert. Auch US-Präsident Richard Nixon war 1972 persönlich in Peking und schüttelte dem Massenmörder Mao Zedong freudig die Hand, wie Originalaufnahmen des Treffens belegen. Zbigniew Brzeziński, neben Kissinger einer der wichtigsten Geostrategen der US-Regierung, empfing den chinesischen Diktator etwas später gar in seinem Haus in den Vereinigten Staaten.

Allerdings waren es in der Folge nicht chinesische Unternehmen, die für den rasanten Aufbau von Infrastruktur und den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas Sorge trugen. Das erzählte man lediglich der Öffentlichkeit. Tatsächlich waren es die Konzerne des militärisch-industriellen Komplexes und Tarnfirmen der CIA, die illegal in China aktiv wurden und Kapital sowie technisches Know-how aus den Vereinigten Staaten zur Verfügung stellten. Denn Kissinger und Nixon verkauften Mao nicht das Konzept der freien Marktwirtschaft, sondern mutmaßlich jenes der Technokratie. Diese Umstände sowie die aus dem technokratischen Saatgut erwachsenen Machtstrukturen im modernen China beleuchtete das Time-Magazine in einem Artikel vom 27. Juni 2001, der beschreibt, wie der technokratische Ansatz in den 1970er- und 1980er-Jahren sowie im Kontext des chinesischen Neo-Autoritarismus immer stärker an Bedeutung gewann.

Wie weit das Pilotprojekt der Technokraten in der Volksrepublik gediehen ist, zeigen aktuelle Bilder aus China, wo die Bevölkerung mit immer neuen Coronalockdowns und totalitären, technologischen Übergriffen gefügig gehalten wird. Das Smartphone dient den Machthabern als Fußfessel.

Wer den erlaubten Bewegungsradius verlässt, Testzyklen nicht einhält oder kritische Nachrichten verfasst, muss mit staatlichen Sanktionen rechnen. Automatisiert. Wer bei Lockdowns zu viel Zeit auf seinem Balkon verbringt, bekommt Besuch von einer Drohne, die den Freigänger unter Androhung von Sanktionen auffordert, sich in den Innenräumen aufzuhalten. Auf den Straßen patrouillieren Roboter. Widerstand ist zwecklos und verhallt in anonymen, zunehmend digitalen Räumen einer nicht greifbaren Bürokratie. Sinnbildlich für dieses dystopische System ist der Umstand, dass Delinquenten und Kriminelle in China künftig von einem virtuellen Richter verurteilt werden sollen.

Dieses groteske Beispiel systematischer Entmenschlichung führt zum Kern der technokratischen Ideologie — denn die Technokraten vertraten von Beginn an den Standpunkt, dass Regierungen, Staaten, Währungen und auch unprofitable Menschen in einem perfekten System obsolet sind. Die Steuerung der Welt müsse primär über den Energieverbrauch erfolgen, da nur dieses Vorgehen eine optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen garantiere.

Zudem, so die Überzeugung der Technokraten, ist Technologie nicht bestechlich, weniger fehleranfällig und frei von humanen Störfaktoren wie Moral, Ethik oder Empathie, die einem effizienten Energiemanagement im Wege stehen.

Aus diesem Grund ergänzen Kollektivismus, Korporatismus, Digitalisierung, Eugenik und Transhumanismus das Konzept der Technokraten perfekt — oder sind integraler Bestandteil desselben, auch wenn diese Denkmodelle nicht dezidiert benannt werden. Denn sie ergeben sich logisch, wenn man das technokratische Ziel der effizienten Nutzung vorhandener Energie radikal zu Ende denkt.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheinen die omnipräsenten UN-Nachhaltigkeitsziele, die Reduktion des individuellen CO2-Fußabdrucks oder die postulierte Klima-Apokalypse in einem anderen Licht. Denn während diese Themen vordergründig den Eindruck erwecken, zum Wohle der Allgemeinheit verfolgt zu werden — um die Welt zu retten — sind sie im Kontext technokratischer Ideologie nichts weiter als totalitäre Kontrollwerkzeuge. Denn für den Technokraten sind auch die Natur und der Homo sapiens nichts weiter als Ressourcen, die es effizient und emotionslos zu verwalten gilt.

So hat die „Technocracy Incorporated“ noch 2016 eine Projektgruppe namens Transition Plan 2016 ins Leben gerufen, um Konzepte für einen Systemwechsel zu erarbeiten. Weg vom aktuellen, auf konstantes Wachstum getrimmten Kapitalismus — hin zur nachhaltigen, zentralisierten Energiewirtschaft. Dass dies wenig mehr als ein Euphemismus ist, sollte nach den vorangegangenen Ausführungen offensichtlich sein.

Natürlich ist die heutige „Technocracy Incorporated“ wenig mehr als ein Verein, der sich der Nachlassverwaltung und Mitgliederpflege widmet, die ursprünglichen Ziele der Bewegung aber werden mit mehr Nachdruck verfolgt als jemals zuvor. Denn bei genauerer Betrachtung ist die humanistisch wie ökologisch anmutende „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen nichts anderes als eine Neuauflage technokratischer Grundsätze. Das zeigt ein Blick in die eingangs verlinkte Technokratenbibel von 1933.

Lediglich die Formulierungen der „Sustainable Development Goals“ (SDG, Nachhaltigkeitsziele) haben sich dem Zeitgeist und psychologischen Erkenntnissen zur Kontrolle der Massen untergeordnet. Wer mag schon Einwände gegen Inklusion, Nachhaltigkeit und Emissionsreduktion vorbringen? Dabei verbergen sich hinter vielen der flauschig formulierten UN-Ziele, wie dem Recht auf eine Identität, eher Pflichten. In diesem Falle nämlich die Pflicht des Staates, jedem Menschen auf dem Planeten bis zum Jahr 2030 eine digitale Identität zuzuweisen — und die Pflicht dieser Menschen, sich jederzeit mit derselben ausweisen zu können.

Denkt man die sozialen Ziele von Technokratie radikal zu Ende, stehen sie für die Abschaffung jeder freiheitlich organisierten Gesellschaft, der freien Marktwirtschaft sowie schlussendlich auch des Geisteswesens, des spirituellen Menschen, der, als Nutzvieh eingestuft, zu Optimierungszwecken nach Ablauf seiner Nutzungsdauer der Euthanasie zugeführt wird.

Dass die Ideologie der Technokratie kein verstaubtes Relikt vergangener Zeiten ist, belegt das Buch „Technokratie in Amerika: Aufstieg des Infostaates“ aus dem Jahr 2016. Der Autor Parag Khanna, ein umtriebiger Strategieberater und Unternehmer, war Berater für das „Global Trends Program 2030“ des US National Intelligence Council und scheint besessen von der Idee, die Welt nach technokratischen Vorgaben umzugestalten.

Im besagten Werk gibt er den Advokaten für eine „direkte Technokratie“, ein System des technokratischen Totalitarismus, in dem die Menschen immerhin noch indirekt, nämlich über die von ihnen erzeugten Daten, Einfluss auf ihre Umwelt nehmen können. Wie groß dieser Einfluss sein wird, kann man sich anhand eines Blickes nach China ausmalen. Denn auch dort werden die Menschen vom Staat gerne digital befragt. Ehrliche Antworten zu geben, traut sich aber wohl kaum jemand.

Khannas Buch fand im Dezember 2016 auch den Weg ins renommierte Time Magazine, das die radikalen Thesen des Autors an prominenter Stelle präsentierte. So werden die alten Ziele der Technokraten mit der „Agenda 2030“ nicht nur bereits umgesetzt, Strategen arbeiten auch konstant an deren Verfeinerung. Sie adaptieren und modifizieren die Konzepte von Scott und Hubbert im Kontext unserer Zeit. Allen gemeinsam ist dabei, dass sie die Wissenschaft zur Religion erheben, zum Absolutismus des 21. Jahrhunderts.

Dass die Menschheit für diese Religion durchaus empfänglich ist, hat der Coronakult eindrücklich unter Beweis gestellt. Er hat das Brennglas auf die Identitätskrise der Spezies gerichtet und mehr denn je offenbart, dass viele Menschen mit der modernen Welt und vor allem sich selbst überfordert sind, dass ihnen Werte, Ziele und Selbstbewusstsein schon vor langer Zeit abhandengekommen sind.

Sie taumeln haltlos zwischen Abhängigkeiten, Arbeit, Smartphone, Netflix und oberflächlichen Sozialkontakten umher. Nervöse Zerstreuung verdrängt Reflexion. Das macht empfänglich für neue Heilsversprechen, für Herdenwärme und Führung.

Da passt es gut ins Bild, dass WEF-Günstling Yuval Noah Harrari, der in jüngster Zeit vor allem mit seinen verstörenden Aussagen zum Thema Transhumanismus von sich reden machte, schon 2015 die Religion der Zukunft definierte: Dataism. In seinem Buch „Homo Deus — Eine kurze Geschichte von Morgen“ beschreibt er, wie alle politischen und sozialen Strukturen als Systeme der Datenverarbeitung betrachtet werden können und Dataismus folglich erklärt, dass „das Universum aus Datenflüssen besteht und der Wert eines Phänomens oder einer Entität durch seinen Beitrag zur Datenverarbeitung bestimmt wird“. Deswegen sei das oberste Ziel des Dataisten, den Datenfluss zu maximieren und mehr und mehr Medien miteinander zu verknüpfen. Das ist eben nicht nur Überwachungskapitalismus, die Digitalisierung oder eine „Vierte Industrielle Revolution“ — es ist Technokratie. Doch Harrari versucht mit seinen Thesen, dem kalten Mechanischen einen sakralen Unterbau, eine spirituelle Basis zu verschaffen.

Weiter schreibt er:

„Wir können die gesamte menschliche Spezies als ein einziges Datenverarbeitungssystem interpretieren, wobei einzelne Menschen als Chips dienen.“

Harrari sagt voraus, dass Menschen den Algorithmen in naher Zukunft die Entscheidungsgewalt über die wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens übertragen werden, vom Karriereweg über die Partnerwahl bis hin zur medizinischen Behandlung. Und tatsächlich wird der Homo sapiens bereits heute häufiger unterbewusst von seinen eigenen Innovationen gesteuert, als ihm das bewusst ist. Die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich Datenschutz und schleichender Aufhebung der Privatsphäre unterstreichen, dass die Büchse der Pandora in diesem Bereich längst sperrangelweit offen steht.

Trotz diverser Skandale der jüngeren Vergangenheit, massiven Datenlecks und offensichtlichem Missbrauch von persönlichen Informationen durch Konzerne und Staaten, hält sich der gesamtgesellschaftliche Widerstand gegen die invasiven Pläne von Regierungen und supranationalen Institutionen in Bezug auf den Schutz der eigenen Daten in Grenzen. Denn viele Menschen sind bereit, ihre Freiheit für vermeintliche Sicherheit zu opfern.

Paradebeispiel: Facebook. Der Konzern hatte die persönlichen Daten von etwa 87 Millionen Nutzern veruntreut und der Firma Cambridge Analytica zur Verfügung gestellt. Diese nutze die Informationen unter anderem und illegaler Weise, um analytische Unterstützung für die Wahlkampagnen von Donald Trump und Ted Cruz im Jahr 2016 zu leisten. Außerdem wurde das Unternehmen beschuldigt, im Rahmen des Brexit-Referendums in Großbritannien Daten gesammelt, ausgewertet und zur Manipulation der Öffentlichkeit eingesetzt zu haben. Cambridge Analytica meldete im Jahr 2018 Insolvenz an. Ein Bauernopfer. Denn andere Unternehmen taten davor wie danach exakt das Gleiche — sorgten aber dafür, nicht im Rampenlicht zu stehen.

Damals sorgte dieser Skandal noch für einen Aufschrei in der Bevölkerung und rückte Themen wie personalisierte Werbung (Targeting), Nudging und psychologische Manipulation der Massen in den Fokus. Heutzutage hat man sich anscheinend weitgehend damit abgefunden, dass Konzerne und Regierungen heimlich Daten abgreifen und für ihre fragwürdigen Zwecke verwenden.

Dabei wäre der Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal eine Chance gewesen, Unternehmenszweck, Geschäftspraktiken und finanzielle Hintergründe von Mark Zuckerbergs Konzern im Allgemeinen genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn was gemeinhin als Start-up eines schrägen IT-Nerds wahrgenommen wird, ist unter Umständen nur die Fortführung eines Projektes der DARPA, einer Forschungseinrichtung des Pentagons.

Diese hatte mit „Life Log“ im Jahr 2003 ein IT-Projekt aufgesetzt, das sich zur Aufgabe gemacht hatte, sämtliche Aktivitäten, Informationen, Interaktionen und Interessen der US-Bürger, ob online oder offline, in einer zentralen Datenbank zu sammeln. Für jeden Menschen sollte es eine Art personalisierte „Timeline“ geben, anhand derer die Behörden das gesamte Leben der Person nachvollziehen können. Nachdem die Öffentlichkeit Wind von der Sache bekam, wurde das Life-Log-Projekt am 3. Februar 2004 offiziell eingestellt.

Facebook wurde genau einen Tag später gegründet, am 4. Februar 2004, mit Startkapital von Investor Peter Thiel, der enge Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex sowie US-Geheimdiensten unterhält, und sammelt seither genau jene Informationen, auf die es die DARPA einstmals abgesehen hatte. Nur, dass die Nutzer diese dem Konzern und seinen Hintermännern nun bereitwillig selbst zur Verfügung stellen.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 11.06.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Digitalisierung im Gesundheitswesen
Recht

Ihr Telefon verrät mehr über Sie, als Sie denken

„Ihr Telefon verrät mehr über Sie, als Sie denken“ ist Teil der Überschrift eines Beitrags von Susan Landau zu einem großen Datenschutzrisiko.

Mobile Telefone behaftet mit großem Datenschutzrisiko

Susan Landau ist Professorin für Cybersicherheit und -politik an der Tufts University. Am 23.05.2022 auf theconversation.com erschien ein Beitrag von ihr, dessen Titel nicht gleich die Brisanz offenbart, der wir alle ausgesetzt sind, wenn wir unser Smartphone nutzen. Vollständig lautete der Titel: „Das bevorstehende Ende von Roe v. Wade wirft ein Schlaglicht auf ein großes Datenschutzrisiko: Ihr Telefon verrät mehr über Sie, als Sie denken.“

Das bevorstehende Ende von Roe v. Wade bezieht sich auf eine Grundsatzentscheidung zum Abtreibungsrecht des Obersten Gerichtshofs der USA am 22. Januar 1973.

Der Anlass ist für uns in der Bundesrepublik rechtlich wenig relevant. Das grundsätzliche Datenschutzrisiko dagegen sehr. Dieses geht sogar weit über das in dem Beitrag geschilderte Problem hinaus, das nur ein Mosaikstein für die Totalüberwachung der Bürger ist. Deshalb habe ich den unter CC-Lizenz veröffentlichten Beitrag übersetzt und für Interessenten auch die Links aus dem Origial eingefügt.

Beginn der Übersetzung:

Als Politico den Entwurf eines Gutachtens des Obersten Richters Samuel Alito zur Aufhebung des Urteils Roe v. Wade veröffentlichte, wiesen einige Kommentatoren darauf hin, dass es für Frauen in Staaten, die Abtreibungen illegal gemacht haben, schwierig sein würde, sicher zu Abtreibungskliniken in anderen Staaten zu gelangen. Die Standortdaten ihrer Telefone würden sie verraten, oder vielleicht auch ihre Suchverläufe. Sogar ihre Texte könnten dies tun.

Wenn man inkognito in eine Abtreibungsklinik reisen möchte, so der wohlmeinende Rat, sollte man die Reise so planen, wie es ein CIA-Agent tun würde – und sich ein Wegwerfhandy zulegen. Als Forscherin für Cybersicherheit und Datenschutz weiß ich, dass das nicht ausreicht, um die Privatsphäre zu gewährleisten.

Die Verwendung einer Karten-App zur Routenplanung, das Senden von Begriffen an eine Suchmaschine und das Chatten im Internet sind Wege, auf denen Menschen aktiv ihre persönlichen Daten weitergeben. Aber Mobilgeräte geben weit mehr Daten weiter als nur das, was ihre Nutzer sagen oder tippen. Sie geben Informationen darüber an das Netz weiter, mit wem die Menschen Kontakt aufgenommen haben, wann sie dies getan haben, wie lange die Kommunikation gedauert hat und welche Art von Gerät verwendet wurde. Die Geräte müssen dies tun, um einen Telefonanruf zu verbinden oder eine E-Mail zu senden.

Wer spricht mit wem?

Als der NSA-Whistleblower Edward Snowden enthüllte, dass die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA) die Metadaten von Telefongesprächen der Amerikaner – die Call Detail Records – massenhaft sammelte, um Terroristen aufzuspüren, war die Öffentlichkeit sehr bestürzt. Die Öffentlichkeit war zu Recht besorgt über den Verlust der Privatsphäre.

Später zeigten Forscher in Stanford, dass die Aufzeichnungen von Telefongesprächen zusammen mit öffentlich zugänglichen Informationen sensible Informationen preisgeben können, z. B. ob jemand ein Herzproblem hat und sein Herzrhythmus-Überwachungsgerät nicht richtig funktioniert oder ob er die Eröffnung einer Marihuana-Ausgabestelle in Betracht zieht. Oft muss man gar nicht mithören, um zu erfahren, was jemand denkt oder plant. Anruflisten – wer wen wann angerufen hat – können alles verraten.

Die Übertragungsinformationen in der internetbasierten Kommunikation – die IP-Paket-Header – können sogar noch mehr verraten als die Aufzeichnungen der Anrufdetails. Wenn Sie einen verschlüsselten Sprachanruf über das Internet tätigen – einen Voice-over-IP-Anruf -, ist der Inhalt zwar verschlüsselt, aber die Informationen im Paketkopf können dennoch manchmal einige der Worte verraten, die Sie sprechen.

Eine Tasche voller Sensoren

Das ist nicht die einzige Information, die Ihr Kommunikationsgerät preisgibt. Smartphones sind Computer, und sie haben viele Sensoren. Damit Ihr Telefon die Informationen richtig anzeigt, verfügt es über ein Gyroskop und einen Beschleunigungsmesser; um den Akku zu schonen, hat es einen Stromsensor; um Richtungen anzugeben, ein Magnetometer.

Genauso wie die Metadaten der Kommunikation verwendet werden können, um zu verfolgen, was Sie tun, können diese Sensoren auch für andere Zwecke verwendet werden. Sie könnten GPS deaktivieren, um zu verhindern, dass Apps Ihren Standort verfolgen, aber die Daten des Gyroskops, des Beschleunigungssensors und des Magnetometers eines Telefons können auch aufzeichnen, wohin Sie gehen.


Was die Sensoren in Ihrem Telefon tun und wie sie eine Menge Daten über Sie sammeln.

Diese Sensordaten könnten für Unternehmen von Interesse sein. Facebook zum Beispiel hat ein Patent angemeldet, das sich auf die verschiedenen drahtlosen Netzwerke in der Umgebung eines Nutzers stützt, um festzustellen, wann sich zwei Personen häufig in der Nähe aufhalten – auf einer Konferenz, in einem Pendlerbus – und sie einander vorzustellen. Unheimlich? Und ob. Als jemand, der als junges Mädchen mit der New Yorker U-Bahn gefahren ist, wäre es das Letzte, was ich mir wünschen würde, dass mein Telefon mich jemandem vorstellt, der mir im U-Bahn-Wagen wiederholt zu nahe gekommen ist.

Uber weiß, dass die Leute wirklich eine Fahrt wollen, wenn ihr Akku leer ist. Prüft das Unternehmen diese Daten und verlangt mehr Geld? Uber behauptet nicht, dass es das tut, aber die Möglichkeit besteht.

Und es sind nicht nur Apps, die Zugang zu diesem Datenschatz erhalten. Datenmakler erhalten diese Informationen von den Apps, führen sie dann mit anderen Daten zusammen und stellen sie Unternehmen und Regierungen zur Verfügung, die sie für ihre eigenen Zwecke nutzen. Auf diese Weise werden die gesetzlichen Schutzbestimmungen umgangen, nach denen die Strafverfolgungsbehörden vor Gericht gehen müssen, bevor sie diese Informationen erhalten.

Über die Zustimmung hinaus

Es gibt nicht viel, was Nutzer tun können, um sich zu schützen. Kommunikationsmetadaten und Gerätetelemetrie – Informationen von den Telefonsensoren – werden zum Senden, Bereitstellen und Anzeigen von Inhalten verwendet. Es ist in der Regel nicht möglich, sie nicht einzubeziehen. Und im Gegensatz zu den Suchbegriffen oder Kartenpositionen, die Sie bewusst angeben, werden Metadaten und Telemetriedaten gesendet, ohne dass Sie sie überhaupt sehen.

Es ist nicht plausibel, eine Einwilligung zu geben. Es gibt zu viele dieser Daten, und es ist zu kompliziert, im Einzelfall zu entscheiden. Jede von Ihnen genutzte Anwendung – Video, Chat, Websurfen, E-Mail – verwendet Metadaten und Telemetrie anders. Eine wirklich informierte Zustimmung, bei der Sie wissen, welche Informationen Sie bereitstellen und wofür sie verwendet werden, ist praktisch unmöglich.

Wenn Sie Ihr Mobiltelefon für etwas anderes als einen Briefbeschwerer verwenden, können Ihr Besuch in der Cannabis-Apotheke und Ihre Persönlichkeit – wie extrovertiert Sie sind oder ob Sie seit der Wahl 2016 wahrscheinlich keinen Kontakt mehr zu Ihrer Familie haben – aus Metadaten und Telemetriedaten abgeleitet und weitergegeben werden.

Das gilt sogar für ein mit Bargeld gekauftes Wegwerf-Handy, zumindest wenn Sie vorhaben, das Telefon einzuschalten. Wenn Sie dies tun, während Sie Ihr normales Telefon bei sich tragen, haben Sie verraten, dass die beiden Telefone miteinander verbunden sind – und vielleicht sogar, dass sie Ihnen gehören. Mit nur vier Ortungspunkten kann ein Benutzer identifiziert werden, was eine weitere Möglichkeit ist, Ihre Identität über Ihr Wegwerfhandy zu erfahren. Wenn Sie mit einer anderen Person unterwegs sind, muss diese ebenso vorsichtig sein, sonst würde ihr Telefon sie – und Sie – identifizieren. Metadaten und Telemetriedaten verraten eine ganze Menge über Sie. Aber Sie können nicht entscheiden, wer diese Daten erhält oder was er damit macht.

Die Realität des technischen Lebens

Es gibt verfassungsrechtliche Garantien für Anonymität. So hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass das im Ersten Verfassungszusatz garantierte Vereinigungsrecht das Recht beinhaltet, sich privat zusammenzuschließen, ohne dem Staat Mitgliederlisten vorzulegen. Aber mit Smartphones ist dieses Recht praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Wenn man nicht gerade in abgelegenen Teilen des Landes arbeitet, ist es fast unmöglich, ohne ein Mobiltelefon auszukommen. Papierkarten und öffentliche Telefonzellen sind praktisch verschwunden. Wenn Sie irgendetwas tun wollen – von hier nach dort reisen, einen Termin vereinbaren, etwas zum Mitnehmen bestellen oder das Wetter abfragen -, brauchen Sie fast nur noch ein Smartphone, um dies zu tun.

Es sind nicht nur Menschen, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollen, deren Privatsphäre durch die Daten, die Telefone preisgeben, gefährdet ist. Es könnte auch Ihr Kind sein, das sich um einen Job bewirbt: Das Unternehmen könnte beispielsweise Standortdaten überprüfen, um festzustellen, ob es an politischen Protesten teilnimmt. Oder es könnten Sie sein, wenn die Gyroskop-, Beschleunigungsmesser- und Magnetometerdaten verraten, dass Sie und Ihr Kollege nachts in dasselbe Hotelzimmer gegangen sind.

[aartikel]3426786915:right[/aartikel]Es gibt eine Lösung für dieses beängstigende Szenario: Gesetze oder Vorschriften, die vorschreiben, dass die Daten, die Sie zum Senden und Empfangen von Nachrichten – TikTok, SnapChat, YouTube – zur Verfügung stellen, nur dafür verwendet werden und für nichts anderes. Das hilft den Menschen, die abtreiben wollen – und auch uns anderen.


Ende der Übersetzung

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Digitalisierung im Gesundheitswesen
Recht

Überwachung – total und global

End­sta­ti­on Technokratie

Im Schatten der sogenannten „Freedom Days“ wird die globale Totalüberwachung der Menschheit mit großen Schritten vorangetrieben.

von Tom-Oliver Regenauer

Die im Dunkeln sieht man nicht. Wenn bestimmte Themen geradezu aufdringlich von den Medien in den Vordergrund gespielt werden, tut man nicht nur gut daran, zu fragen, wozu das alles dienen soll — es empfiehlt sich auch, zu überlegen, ob damit nicht etwas anderes, mindestens genauso Wichtiges überspielt werden soll. Während drei dominante Horrorszenarien die Bevölkerung in Atem halten — Corona, Krieg und Klima —, scheint der Politik nicht viel an der tatsächlichen Beseitigung jener Probleme zu liegen. Denn während vermeintliche „Freedom Days“ gefeiert und Helden der Ukraine beklatscht werden, steht primär die Einführung einer obligatorischen digitalen Identität im Zentrum allen staatlichen Handelns.

Die mannigfaltigen Krisen unserer Zeit und die zunehmende Abhängigkeit von Bildschirmen absorbieren die Aufmerksamkeit und die Emotionen des Menschen der postfaktischen Ära. Eine anhaltende, oft verwirrende Flut an Informationen schafft Unsicherheit, nimmt Orientierung.

Perspektiven werden zum Trugbild. Überzeugungen und sicher Geglaubtes stellen sich täglich aufs Neue infrage. Existenzängste sind in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen weit verbreitet. Bei vielen Menschen herrscht ohnehin seit zwei Jahren Dauerstress. Der Akku ist leer. Der verzweifelte Versuch, die heile Welt des eigenen Lebens vor den signifikantesten Paradigmenwechseln der vergangenen 70 Jahre zu bewahren, kostet Reserven. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge haben Depressionen und Angstzustände weltweit um sagenhafte 25 Prozent zugenommen. Die Corona-Politik hat dahingehend ganze Arbeit geleistet.

Die Welt verändert sich. Und zwar rapide. Nur eben nicht zum Besseren. Das merkt mittlerweile vermutlich jeder in seinem sozialen, kulturellen und ökonomischen Umfeld. Nichts ist mehr wie vor der vermeintlichen Pandemie. Der Ausnahmezustand ist zur Normalität geworden. Das bestätigt Panik-Prediger Karl Lauterbach mittlerweile sogar ungeniert zur Prime Time. Und auch wenn die Coronakrise derzeit temporär abflaut — je nachdem, in welchem Land man sich befindet —, beherrschen mit dem Chaos in der Ukraine und der Klimakrise mindestens zwei weitere Angstnarrative den Alltag der Menschen. Hinzu kommen nun eine für die nähere Zukunft prognostizierte Hungersnot und der potenzielle Dritte Weltkrieg.

So lenkt der mediale Daueralarm erfolgreich von kontroversen, übergeordneten Zielen ab, die verschiedenste Interessengruppen verfolgen, wenn sie eine Katastrophe als einmalige Chance bezeichnen.

Auffällig ist, dass es sich bei den Profiteuren der Krise — wie im Feudalsystem des Mittelalters — stets um die wenigen oberen Prozent der Wohlstandspyramide handelt. Die herrschende Klasse, Kaste oder Elite. Sie bildet das Zentrum des modernen Korporatismus. Dazu gehören nach Untersuchungen des amerikanischen Autors David Rothkopf, der im Jahr 2008 das Buch „Superclass“ publizierte, mittlerweile etwa 7.000 Personen, die sich zusammen weit über 80 Prozent des globalen Besitzes teilen. Bei der entsprechenden Analyse finanzieller und organisatorischer Zusammenhänge geht es also offensichtlich nicht um Verschwörungstheorien, wie die staatlich alimentierten Faktenchecker gerne behaupten, sondern — ganz profan — um organisierte Kriminalität.

„Du glaubst Dinge, weil du konditioniert wurdest, sie zu glauben“ (Aldous Huxley).

Nun hält das energieraubende, frustrierende Tagesgeschäft einen Großteil der Menschen davon ab, selbst ausführliche Nachforschungen darüber anzustellen, welche langfristigen Ziele mit den kurzsichtigen Marschbefehlen des Tages aus Berlin oder anderen Hauptstädten verfolgt werden könnten. Das ist nachvollziehbar und die Situation politisch gewollt.

Denn die Grenzen der drei dominanten Narrative — COVID-19, Klimakrise und Krieg — verschwimmen immer mehr. Treffender ausgedrückt: Sie werden, wo es irgendwie geht, miteinander verwoben, in Verbindung oder Abhängigkeit gebracht. So verlängerte zum Beispiel das deutsche Bundesland Bayern vor wenigen Tagen den wegen Corona ausgerufenen Notstand nahtlos — wegen der Ukrainekrise. Hauptsache Notstand.

Putin ist auch schuld an der massiven Steigerung der Benzinpreise. Ungeachtet der Tatsache, dass der Großteil des Geldes, das man an der Zapfsäule lässt, als Steuern an den Staat geht und man ausnahmsweise nicht die Mineralölkonzerne für Preistreiberei verantwortlich machen kann. Trotzdem braucht es nach Meinung von Greenpeace oder den Grünen jetzt dringend Tempolimits, autofreie Sonntage, Tofu und kalte Wohnungen gegen die russische Aggression. Galoppierende Inflation, die anziehende Wirtschaftskrise und Lieferengpässe bei Nahrungsmitteln werden ebenfalls im Handumdrehen mit dem Krieg in der Ukraine begründet — auch wenn die Situation dort erst vor wenigen Tagen richtig eskaliert ist.

Zwei Jahre vorsätzlich destruktives Krisenmanagement sind gemäß offiziellen Stellen nicht der Hauptgrund für den wirtschaftlichen Niedergang. Auch der Umstand, dass im Donbass seit 2014 über 14.000 Menschen gestorben sind, weil die korrupte, von den USA eingesetzte Regierung der Ukraine dort einen veritablen Genozid an der russischstämmigen Bevölkerung betreibt und der Krieg somit eigentlich seit acht Jahren läuft, spielt bei den aktuellen Überlegungen der Bundesregierung keine Rolle. Es sind die Russen. Da gibt es keine Grauzone.

Egal welche Krise gerade die dominante ist, die Lösungen, die der Bevölkerung als alternativlos präsentiert werden, sind in abgewandelter Form immer die gleichen: mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Biometrie und Digitalisierung. Im Umkehrschluss: weniger persönliche und wirtschaftliche Autonomie, weniger lokale und dezentrale Lebens- und Wirtschaftsformen, weniger Freiheit, individuelle Mobilität und Grundrechte.

„Bevor Anführer der Massen die Macht ergreifen, um die Realität ihren Lügen anzupassen, ist ihre Propaganda durch ihre extreme Verachtung der Tatsachen als solche gekennzeichnet“ (Hannah Arendt).

Am deutlichsten wird diese Tendenz, wenn man die Entwicklung des Themas „Digitale Identität“ betrachtet, welches durch die Coronakrise einen bemerkenswerten Boom erlebte. Denn nach Überzeugungen der regierungsnahen Experten lässt sich eine Pandemie nur dadurch in den Griff bekommen, dass man weltweit digitale Impfpässe und Kontaktverfolgungsprozesse implementiert, die noch vor Corona einen undenkbaren Eingriff in die Privatsphäre sowie eine eklatante Verletzung des persönlichen Anspruchs auf Datenschutz dargestellt hätten.

Dass derartige Barrieren nach zwei Jahren Informationskrieg längst niedergerissen wurden, unterstreicht die Ankündigung des Browser- und Suchmaschinen-Anbieters DuckDuckGo, welcher bisher mit Attributen wie Datenschutz, Privatsphäre, Unabhängigkeit oder Anonymität warb. Nun verkündet das Unternehmen, dass ab sofort „Falschinformationen“ zur Ukrainekrise in den Suchergebnissen zensiert werden. Fragt sich, wer darüber entscheidet, was als richtig oder falsch eingestuft wird. Für eine fundierte Recherche mit ausgewogenen Suchergebnissen eignet sich DuckDuckGo ab sofort jedenfalls nicht mehr.

Eine dezentrale und tatsächlich unabhängige Alternative existiert unter dem Namen Presearch, ein Projekt ohne finanzielle Abhängigkeiten von Big Tech oder Konzernoligarchie. Das Whitepaper ist offen zugänglich, und ein aktuelles Interview mit dem Gründer bietet umfangreiche Hintergrundinformationen. Der zugehörige Smartphone-Browser läuft reibungslos. Und die Suchergebnisse von Presearch auf dem Desktop-Computer oder Laptop unterscheiden sich von gängigen Suchmaschinen wie Tag und Nacht. Vieles, was andernorts zensiert wird, findet sich über Presearch wieder. Andernfalls besteht die Möglichkeit, die Seite Archive.org zu verwenden, eine digitale Zeitmaschine, die Webseiten samt Inhalt über den Verlauf der Jahre speichert und so auch Gelöschtes weiterhin zugänglich macht.

Ein Blick auf die Financiers des vermeintlich unabhängigen Anbieters DuckDuckGo zeigt, dass auch in diesem Unternehmen, das vielen lange als Garant für Sicherheit im Internet galt, das große Kapital des Korporatismus sein Zepter schwingt — denn die Millionen, über die DuckDuckGo verfügt, stammen primär von Union Square Ventures (USV), eine der größten Kapitalsammelstellen der USA, sowie von Omers, der kanadischen Pensionskasse. Diese monetären Abhängigkeiten sprechen nicht unbedingt für unbeeinflusstes Unternehmertum zugunsten der Internetnutzer, sondern für gefährliche Nähe zum sogenannten Establishment.

„Der technische Staat entzieht, ohne antidemokratisch zu sein, der Demokratie ihre Substanz“ (Helmut Schelsky).

Ähnlich verhält es sich in Bezug auf die digitalen Impfpässe. Ob ID Austria, Swiss eID, deutsche eID-Karte, eIDAS der Europäischen Union, CIE in Italien, Biometric Electronic Residence Card in Frankreich, Digital ID in England oder Digital ID der USA — die Einführung eines solchen Ausweises im Zuge der Coronakrise scheint für alle Staaten eine höhere Priorität gehabt zu haben als die Verbesserung oder Modernisierung des vielerorts maroden Gesundheitssystems. Denn dort wurden — ganz im Gegensatz zum Ausbau der staatlich-biometrischen Kontrollinfrastruktur — in den vergangenen Jahren keine Milliardensummen investiert.

Dass auch die Ukraine jüngst ankündigte, ihre Diaa-App ausbauen und die digitale ID mit dem Impfpass sowie einem universellen Grundeinkommen zum ersten Social-Credit-System auf dem europäischen Kontinent kombinieren zu wollen, obwohl sich das Land offiziell im Krieg befindet, sollte ebenfalls nachdenklich stimmen. Denn die strategische Priorisierung solcher Vorhaben gibt klare Hinweise darauf, welche übergeordneten Ziele der digital-finanzielle Komplex verfolgt, wenn er Krisen wie einen Krieg oder eine Pandemie zynisch als Chance betitelt.

Die Tatsache, dass es bei den totalitären Maßnahmen im Zuge der angeblichen Jahrhundertseuche stets um 1G — Gehorsam — ging, hätte man trotz vorgeschobener Begründungen offizieller Stellen schon früh anerkennen können. Nicht nur die evidenzlosen Lockdowns und der fanatische Maskenzwang sind symbolische Akte und psychologische Werkzeuge, um die Bevölkerung auf Linie zu bringen.

Vor allem die permanente Überwachung aller Kontakt- und Bewegungsdaten des Menschen sowie die automatisierte Zugangskontrolle zu allen Bereichen des Alltags standen im Zentrum der staatlichen Strategie. Denn das ist der heilige Gral des totalitären Korporatismus: absolute digitale Kontrolle über das Individuum, seine Gedanken, Handlungen und Finanztransaktionen — der ständige Begleiter von Apple, Google, Huawei oder Samsung in der Hosentasche macht es möglich und die Unbedarftheit der Bevölkerung im Umgang mit dem Taschenspion.

Ministerien, Konzerne, Stiftungen und Vermögensverwalter haben seit März 2020 zig Milliarden ausgegeben, um im öffentlichen Raum die entsprechende Infrastruktur zu installieren. Ganz nach chinesischem Vorbild. So hat FRAPORT, die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, nach Angaben von Homeland Security Today 87 biometrische Check-in-Automaten des US-Unternehmens SITA geordert. Die größte Bestellung im europäischen Raum.

Die Polizei in New York begann im Jahr 2021 testweise, Roboter-Hunde von Boston Dynamics zur Überwachung der Innenstadt einzusetzen, in Singapur sind diese schon im Regelbetrieb aktiv und überwachen mit Kameras die Einhaltung von Coronamaßnahmen. Der Roboter-Hersteller ist übrigens ein Spin-off des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und wird in Form einer Holding von Alphabet Inc. (Google), Hyundai Motor Group und der SoftBank Group finanziert.

Dass demnächst weitere Modelle des US-Unternehmens im Straßenbild internationaler Metropolen auftauchen dürften, scheint gesetzt. Ein auf seltsame Art morbid wirkendes Video von Boston Dynamics zeigt, wie weit die motorischen und sensorischen Fähigkeiten der Maschinen bereits fortgeschritten sind. Wobei die militärischen Entwicklungen noch einen guten Schritt weiter sein dürften, als man öffentlich kommuniziert. RoboCop lässt grüßen.

Umgeben von einem digitalen Netz unsichtbarer Überwachung und überlegener Maschinen, markiert das Smartphone das Verbindungsstück zwischen Mensch und Internet-of-Things oder Internet-of-Bodies, wie die selbst ernannten Gutmenschen vom World Economic Forum (WEF) es nennen. Der QR-Code, als Vorstufe zum implantierten Chip, wird künftig nötig sein, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. In der Schweiz können Rechnungen zum Beispiel ab Oktober 2022 nur noch mit QR-Code ausgestellt und bezahlt werden. Die über Jahrzehnte bewährten Überweisungsformulare aus Papier sind Geschichte.

Sobald die Leitwährungen nach Einführung digitaler Zentralbankwährungen vollständig digitalisiert sind, hat der jeweilige Staat faktisch die absolute Kontrolle über jeden einzelnen Bürger und seinen Bewegungsradius. Das hat der Umgang der kanadischen Regierung mit den in Ottawa protestierenden Truckern eindrücklich bewiesen, denen man kurzerhand per Notstandsverordnung den Zugriff auf das eigene Kontoguthaben und Kreditkarten sperrte.

„Einst übertrugen die Menschen ihr Denken auf Maschinen, in der Hoffnung, dass sie dadurch frei werden würden. Aber das erlaubte nur anderen Menschen mit Maschinen, sie zu versklaven“ (Frank Herbert).

Wer für Proteste spendet, die falschen Webseiten aufruft, zu viel CO2 verbraucht oder seine obligatorische Injektion nicht nachweisen kann, hat künftig mit nur einem Klick keinen Zugriff auf sein Geld mehr. Vielleicht öffnet sich auch die mit Sensoren ausgestattete Supermarkttüre nicht mehr, weil das Smartphone den entsprechenden Mobilitätsstatus schon Minuten vorher in alle umgebenden WiFi-Netze gemeldet hat. Der Tesla ist eventuell auch schon automatisch darüber informiert, dass man aufgrund bestimmter Indikatoren heute zu Hause bleiben muss — und springt einfach nicht an. Schöne neue Welt 2030.

Die langfristigen Folgen einer verpflichtenden, digitalen Verknüpfung von biometrischen und finanziellen Informationen aller Bürger sind dystopisch. Denn jede Bewegung, jede Transaktion, jede Kommunikation ist künftig transparent, in Echtzeit analysierbar und zumindest indirekt manipulierbar. Daher arbeitet die EU fieberhaft an der Aufweichung des Datenschutzes und will mit legislativen Mitteln den Zugriff auf jede Form privater Kommunikation ermöglichen. Mail, Chat, SMS, Telefonat, Browserverlauf, Bewegungsdaten des Handys. Alles. Missbrauch ist vorprogrammiert.

Doch genau das ist die Zukunft, wie ein Blick in die Vergangenheit belegt. Denn die sichtbaren Zeichen des neuen Totalitarismus, wie biometrische Flughafen-Terminals, sind nur das oberflächliche Symptom einer umfassenderen Agenda zur automatisierten Kontrolle der menschlichen Zivilisation durch eine technokratische Kaste. Diese werkelt seit mindestens einem Jahrzehnt an jenen Innovationen, die dem Normalbürger im Jahr 2022 als technologische Revolution angepriesen werden.

Speziell die Bemühungen um eine digitale Identität — oder, präziser, um das vermeintliche Grundrecht auf eine digitale Identität jedes Erdenbewohners — stehen bei supranationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen (UN) seit Langem weit oben auf der Prioritätenliste. Daher ist das Vorhaben auch Teil der 17 Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Speziell die Ziele 16.4 und 16.9 sollten nach dem Klick auf „Indikatoren“ für Stirnrunzeln sorgen. Neben vielen anderen: Denn bei genauem Hinsehen geht es um globale Kontrolle der Finanzströme und die verpflichtende digitale Identität für jeden Menschen ab dem Zeitpunkt der Geburt. Nach gemeinsamem Einsatz aller Länder für Grundrechte oder eine bessere Welt klingt das nicht. Es klingt wie das Streben nach absoluter Kontrolle über eine Herde Nutzvieh.

„Die UNO taugt nur als Instrument amerikanischer Politik“ (Peter Scholl-Latour).

Noch verstörender sind Projekte wie der Smart Dust, durch den Nanopartikel im großen Stil über die Luft ausgebracht werden können, oder das QR-Impfpflaster, mit dem in Kürze zu rechnen ist. Im Zentrum aller Bemühungen um Kontrolle steht jedoch die digitale Identität, wie Ursula von der Leyen schon im Juni 2021 auf dem DigitalEU-YouTube-Kanal erklärt. In Australien arbeitet man ebenfalls seit mindestens 2017 an dem Thema, wie ein Marketing-Video der australischen Regierung belegt. Und im Februar 2022 machte sich auch der kanadische Bankenverband nochmals stark für die Einführung des „digitalen Halsbands“.

Im Zentrum der Entwicklung einer globalen Digital-Identität steht ID2020, eine angeblich gemeinnützige Organisation, die im Jahr 2017 gegründet wurde und deren wichtigste Partner Unternehmen wie Microsoft, Rockefeller Foundation, Microsoft, GAVI oder Accenture sind. Alte Bekannte, wenn es um kontroverse Projekte, Korruption, Korporatismus und Eugenik geht. Besonders interessant an ID2020 ist, wie die WEF-nahe Chefin — Dakota Gruener — versucht, die Einführung einer digitalen Identität philosophisch darzustellen. Denn sie gibt sich alle Mühe, das totalitäre Ansinnen als ein elementares Grundrecht des Menschen zu vermarkten, indem sie semantische Umdeutung betreibt und die Ärmsten dieser Welt als billige Argumentationslinie missbraucht, wie ein TEDx-Talk vom Juli 2019 unterstreicht.

„Wenn Sie keinen Platz am Tisch haben, stehen Sie wahrscheinlich auf der Speisekarte“ (Elizabeth Warren).

Ähnliche Begründungen für digitale Ausweise lieferte das World Economic Forum bereits im November 2020. Und auch ein neues, 46 Seiten umfassendes Papier des WEF namens „Advancing Digital Agency“, publiziert im Februar 2022, beschreibt im Detail, wie man sich die Interaktion oder Verschmelzung von Mensch und Maschine seitens der herrschenden Klasse künftig vorstellt. So viel vorweg: Der Mensch hat dabei wenig zu melden.

Praktisch alle persönlichen Daten — und das sind künftig schlichtweg alle Daten, die ein Mensch erzeugt — sind staatlichen Stellen auf direktem oder indirektem Wege zugänglich. Auch wenn vordergründig eine Scheindebatte um Datenschutz geführt wird. Je stärker Datenströme konsolidiert und zentralisiert werden, umso einfacher ist es, sie zu missbrauchen. Zudem sind die Daten in naher Zukunft nicht mehr bloße „Abfallprodukte“ menschlichen Handelns, wie zum Beispiel der Browserverlauf, der sich von Konzernen für gezielte Werbung nutzen lässt, sie sind in Echtzeit steuerbar, um die Bevölkerung zu kontrollieren. In Chefetagen spricht man dabei von Micro-Management. So wie bereits heute in China.

Die vorgängig beschriebenen Projekte lassen so auch den neuen, globalen Pandemie-Vertrag der Weltgesundheitsorganisation in einem anderen Licht erscheinen. Denn durch ein solches Regelwerk wären nationalstaatliche Regelungen, inklusive Datenschutz, im Pandemiefall komplett außer Kraft gesetzt. Die WHO hätte absolute Weisungsbefugnis über zu ergreifende Maßnahmen in jedem Mitgliedsstaat, der die Vereinbarung unterzeichnet hat. Das kann man durchaus als Konstituierung einer demokratisch nicht legitimierten Weltregierung interpretieren.

Wie diese Gesundheitsschutzmaßnahmen in naher Zukunft genau aussehen könnten, beschreibt ein Dokument von UNICEF — vorgeblich eine Kinderschutzorganisation —, das unter anderem den Einsatz von intelligenten Drohnen zum Besprühen gefährdeter Gebiete mit Desinfektionsmittel — oder Smart-Dust — sowie die Überwachung der Innenstädte durch die autark agierenden Fluggeräte vorschlägt. Klingt eher nach Militär- oder Geheimdienststrategie denn nach Schutz von Kindern.

Zweifelsohne belegen derartige Dokumente der supranationalen Oligarchie, dass nationalstaatliche COVID-Maßnahmen derzeit schlichtweg nicht mehr vonnöten sind. Denn die Global Governance ist jetzt logistisch in der Lage, den Kanon der Unterdrückung bei nächster Gelegenheit zentral für alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen und der WHO zu dirigieren. Das Zurückfahren der Maßnahmen in vielen Ländern muss demnach als billige Finte gewertet werden. Als Sedativum für die aufgebrachten Massen.

Damit erklärt sich wohl auch der Umstand, dass viele Länder in den vergangenen Wochen auf die gewaltsame Durchsetzung ihrer jeweiligen COVID-Zertifikate, Impfpässe und Testnachweise verzichtet haben und die Restriktionen derzeit merklich zurückfahren. Denn die Hardware für die digitale Totalüberwachung wurde im Zuge der vergangenen 24 Monate installiert, kann blitzschnell aktiviert und auf den Global Pass der WHO adaptiert werden. Außerdem nahmen die Proteste gegen die totalitäre Politik weltweit massiv zu. Das System sah sich der Gefahr völliger Enttarnung ausgesetzt. Und Widerstand verteuert den Wandel.

„Ein Grundprinzip des modernen Staatskapitalismus ist, dass Kosten und Risiken so weit wie möglich sozialisiert werden, während der Profit privatisiert wird“ (Noam Chomsky).

So kam die Ukrainekrise zu einem unheimlich günstigen Zeitpunkt für das System. Vor allem Deutschland ist zwischenzeitlich zu einem sozialen Pulverfass geworden. Denn die Regierung bleibt unbeirrt bei ihrem autoritären Corona-Kurs. In der Bundesrepublik wird der Freiheitsbegriff zwischenzeitlich mit 3G definiert.

Bisher herrschte praktisch für alle Lebensbereiche 2G. Wer das nicht als faschistisch einstuft, weiß nicht, was Faschismus bedeutet. Deutschland ist zum Potemkinschen Dorf der Demokratie mutiert. Doch die Fassade bröckelt zusehends. Und das ist eine Chance für den Normalbürger. Denn erst durch oder mit Corona wurde vielen klar, von was sie da regiert werden.

Das Totalitäre ließ seine Maske während der vermeintlichen Pandemie mehr als einmal fallen. Der Bio-Faschismus der vierten industriellen Revolution brach offen durch. Auf der Straße wie auch im Internet. Die Bevölkerung ist nach zwei Jahren Angstpropaganda zwar traumatisiert und gespalten — die Zäsur sitzt —, aber ein derart kriminelles Vorgehen seitens der Machthaber ist auch dem konformsten Bundesbürger nicht auf Dauer zu erklären.

Selbst im engsten Debattenraum kommen politische Entscheidungen irgendwann in der Lebenswirklichkeit der Menschen an. Auch wenn diese zusehends einer „Truman Show“ gleicht. Angesichts des ignoranten Vorgehens in Berlin und beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe muss zwischenzeitlich sogar die Frage gestattet sein, ob die Provokation eines waschechten Bürgerkrieges im Land der Richter und Henker gewollt ist. Anders kann man sich die menschenverachtende Insel-Politik der deutschen Regierung kaum noch erklären.

Im Jahr 2017 konnte man sogar in einem Artikel der mittlerweile handzahmen taz noch lesen, dass „digitale Revolution und Neoliberalismus miteinander verschmelzen“. Die Freiheitsversprechen des Internets seien tot.

Der taz-Autor Kai Schlieter schrieb zum damaligen Zeitpunkt:

„Die New York Times berichtete kürzlich über Facebooks neues ‚Zensur-Tool‘, entwickelt für den chinesischen Markt. Es ermögliche der Regierung, Themen aus dem News-Feed verschwinden zu lassen. Und damit aus den Köpfen der Menschen. Es ist noch nicht lange her, da galt Facebook als ‚soziales‘ Netzwerk, als Synonym der freien Meinungsäußerung, gar der Freiheit an sich. Doch daran glauben immer weniger Menschen. Auch als Sinnbild der Basisdemokratie wurde das Internet verkauft. Selbst kritische Nerds lassen sich bis heute von diesem Freiheits-Phantasma hypnotisieren, obwohl es inhaltlich nicht haltbar ist.

Das Internet und die Computer-Kultur entstanden aus derselben Wurzel, die sie bis heute prägt: ein akademisch-militärischer Stamm und ein daraus erwachsener Zweig für die Entwicklung von entsprechenden Geschäftsmodellen. So sollte nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs die militärische und ökonomische Vormachtstellung des Westens gesichert werden.

Verdeckt von der Graswurzel-Folklore entstanden allerdings die heutigen Oligopole des Silicon Valley. So supermächtig, dass sie sich selbst als Regenten der neuen Weltordnung begreifen und mit dem Politischen in Konkurrenz treten. Auf dem Kontinent Facebook leben bereits 1,9 Milliarden Bewohner. Doch Mark Zuckerberg lässt sich nicht wählen. Er ist der König.“

Vereinnahmt und sediert von der Parallelwelt des von Facebook und Co. zensierten Debattenraums, scheint der Widerstand gegen die Regierung am Hintergrundrauschen der Pandemie zu ersticken. Die stoisch wirkende Gelassenheit, mit der die deutsche Bevölkerung das zunehmend übergriffig agierende Staatswesen oder absolut groteske Bundestagesdebatten über die Impfpflicht hinnimmt, ist von außen betrachtet erstaunlich.

Andererseits muss man konstatieren, dass transparente Auslandsberichterstattung in den deutschen Leitmedien seit Langem nicht mehr existent ist. Womit der Vergleich der Position im eigenen Land gegenüber der Außenwelt zunehmend schwerfällt. In Deutschland wurde weder ausführlich über große Demonstrationen von Maßnahmengegnern in Frankreich berichtet noch über die Volksabstimmung zum COVID-Gesetz in der Schweiz vom November vergangenen Jahres.

Man sieht keine Bilder der Massenproteste gegen den Impfpass in Italien oder Menschenmassen, die in Österreich gegen Impfpflichten auf die Straße gehen. Wenn der Mensch nicht mehr über die Ressourcen verfügt, sich selbst eine Meinung zu bilden, nimmt er als Realität wahr, was er sieht und hört. Deswegen lebt Propaganda von der permanenten Wiederholung. Von der Einheitsmeinung und der Scheinwelt des Kollektivismus.

Wie weit fortgeschritten die Schaffung einer fiktiven Realität ist, zeigt, neben der täglichen Zensur der Silicon-Valley-Plattform-Ökonomie, erneut das totalitäre Testgelände China, wo man bereits einen virtuellen Fernsehmoderator präsentiert, der täuschend echt wirkt. Dass diesem alles in den Mund gelegt werden kann, was das System kommunizieren möchte, ist klar. Sogenannte Deep-Fakes sind nicht mehr von echten Personen zu unterscheiden.

Und wie eine Präsentation von Google aus dem Jahr 2018 zeigt, war die hauseigene AI (Artificial Intelligence, künstliche Intelligenz) schon damals in der Lage, eigenständig Telefonate im Auftrag des Besitzers zu tätigen. Zum Beispiel um einen Friseurtermin zu vereinbaren — ohne dass der Angerufene den Unterschied zwischen Mensch und Maschine wahrnimmt, wohlgemerkt. Festzustellen, was real ist, erscheint mittlerweile fast unmöglich. Es lässt sich über den Ausschluss von offensichtlicher Propaganda und Narrativ-Erzählungen nur noch näherungsweise eingrenzen, zwischen welchen Extremen die Wahrheit sich verbirgt.

„Das Fernsehen ist die größte kulturelle Katastrophe, die die Erde in der Zeit, an die wir uns erinnern können, erlebt hat“ (Joseph Weizenbaum).

Eine künstliche, vom Staat kuratierte Medienrealität in Kombination mit flächendeckend operierender künstlicher Intelligenz und einer voll integrierten, digitalen Identität, eingeschränkter Individualmobilität sowie digitalen Zentralbankwährungen formen den kaum überwindbaren goldenen Käfig der nachwachsenden Generationen.

So ist es fatal, nach der aktuellen Rücknahme der COVID-Restriktionen in vielen Ländern anzunehmen, der Kampf gegen den modernen Totalitarismus wäre ausgestanden. Ganz im Gegenteil. Er hat gerade erst begonnen. Corona war nur das Warm-up für eine postlibertäre Gesellschaftsform. Die Maßnahmen zur Eindämmung der vermeintlichen Pandemie sind das Exoskelett eines technokratischen Systems, dessen Kern die digitale Identität darstellt.

Aus diesem Grund ist es falsch, nach dem teilweisen, temporären Abebben der staatlichen Übergriffigkeiten den friedlichen Protest gegen das nun offen faschistisch operierende System ruhen zu lassen. Speziell in Deutschland wäre es angezeigt, den Generalstreik auszurufen. Dennoch verhalten sich viele Menschen im Moment der kleinsten Erleichterung wie Tiere, die nach einer Verletzung von Menschen aufgefunden, eingesperrt und gesundgepflegt wurden — und dann wieder ausgewildert werden: Kaum steht die Käfigtüre offen, rennen sie los wie von der Tarantel gestochen. Ohne jemals einen Blick zurückzuwerfen.

Die Krisen unserer Zeit verbieten eine binäre Weltsicht — aber wenn man die Komplexität geopolitischer, finanzpolitischer, biologischer und sozialstruktureller Vorgänge auf ein Ziel verdichten muss, das den Türöffner für den ausgereiften Überwachungsstaat von morgen darstellt, ist dies die verpflichtende Einführung eines digitalen Identitätsnachweises.

Daher gilt es, dessen flächendeckende Einführung unter allen Umständen zu verhindern. Denn ist ein ID-System mit Sozialkredit-Funktionen erst installiert, wird es nahezu unmöglich sein, dagegen zu protestieren oder vorzugehen. Das hat Kanada gezeigt. Daher sollte der rasante Abbau von Bürokratie und Zentralismus das primäre Ziel einer jeden Opposition darstellen. Der Staat muss auf seine Kernfunktionen zurückgeschraubt werden. Wenn die roten Linien einer humanistisch geprägten Aufklärung jetzt nicht gehalten werden, wird es in naher Zukunft eventuell keine Möglichkeit mehr geben, selbige zu ziehen.

„Rassentrennung war legal. Sklaverei war legal. Krieg ist legal. Benutzen Sie niemals Legalität als Richtschnur für Moral“ (unbekannter Verfasser).


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 26.03.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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elektronische Patientenakte
Recht

Elektronische Patientenakte – Chancen und Risiken

Die elektronische Patientenakte soll alle Gesundheitsdaten in einer App enthalten. Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden?

Warum eine elektronische Patientenakte?

(djd). Per Fax, per Mail, per Brief – bisher werden medizinische Befunde und Berichte auf ganz unterschiedliche Weise übermittelt. Nicht selten dauert es, bis alle wichtigen Gesundheitsdaten dem behandelnden Arzt gebündelt vorliegen. Dadurch werden viele Untersuchungen doppelt gemacht, was nicht nur Zeit und Geld kostet, sondern oft genug auch Nerven. Ab 2021 soll die elektronische Patientenakte, kurz ePA, für besseren Durchblick sorgen. Vom Impfpass über aktuelle Laborergebnisse, Röntgenbilder oder auch den Medikamentenplan werden darin alle wichtigen Daten archiviert. Im Notfall sind sie dann schnell zur Hand.

Das Handy als Gesundheitsmanager

Über eine App auf dem Handy oder Tablet können Patienten ihre persönlichen Gesundheitsdaten künftig verwalten. In Nachbarländern wie Dänemark ist das bereits seit Jahren Standard. Dort sind Praxen, Kliniken, Apotheken und Patienten eng miteinander vernetzt. Bei uns werden die Krankenakten dagegen in der Arztpraxis geführt. Nicht selten lagern Patienten auch Arztbriefe oder Röntgenbilder zu Hause, weil der Facharzt sie mitgibt. Dazu der Impfpass, die Vorsorgehefte für die Kinder, der Allergieausweis, … An medizinischen Dokumenten kommt einiges zusammen. Manche Krankenkassen bieten daher schon jetzt spezielle Apps, mit denen sich solche Dokumente verwalten lassen. „Unsere Mitglieder können bereits seit 2018 kostenfrei eine elektronische Gesundheitsakte nutzen“, sagt Maren Soehring von der IKK classic. „Damit ist alles Wichtige jederzeit zur Hand.“

Mehr Durchblick, weniger Bürokratie

Datenschutz?
Foto: djd/IKK classic/Getty Images/feellife

Schon heute und auch ganz ohne App haben Patienten das Recht, ihre Unterlagen beim Arzt einzusehen beziehungsweise eine Kopie ihrer Akte zu verlangen. Die ePA soll ab Januar 2021 vor allem für einen besseren Austausch zwischen Patienten, behandelnden Ärzten und Apotheken sorgen. Und für mehr Transparenz und Komfort. So können etwa über die App Rezepte direkt in die Apotheke gesendet werden. Ist das Medikament vorrätig, wird der Kunde informiert. Auch ob Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu erwarten sind, kann die App auf Wunsch prüfen.

Die Sicherheit der Daten soll eine Zwei-Faktor-Authentifizierung wie beim Online-Banking gewährleisten. Alle Informationen werden außerdem so verschlüsselt, dass sie nur mit einem sogenannten Konnektor abgerufen werden können. Den hat dann der (Fach-)Arzt oder auch der Apotheker. Die Kontrolle über seine Akte behält jedoch allein der Patient. Er entscheidet, welche Daten er wann an wen übermittelt. „Es ist außerdem niemand verpflichtet, die ePA zu nutzen“, weiß Maren Soehring. Weitere Informationen sind auch unter www.ikk-classic.de/ePA zusammengefasst.

Siehe auch:

Wer kennt Ihre Patientenakte?

Impfung und Überwachung – wer denkt schon an die Folgen

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Künstliche Intelligenz
Allgemein

Menschen codieren?

Der codierte Mensch

Das Corona-Geschehen dient als Vorwand für die Einführung einer digitalen Identität und diese zur Etablierung der unbegrenzten Überwachbarkeit aller Bürger. Teil 1/2.

von Birgit Naujeck

Es ist nicht das erste Mal, dass Legislative, Judikative und Exekutive gemeinsam gegen das eigene Volk arbeiten und dabei Leib und Leben der Bürger angreifen. Zwischen 1933 und 1945 hat das deutsche Volk sein natürliches Recht, die Regierung abzusetzen, nicht wahrgenommen. Deutschland musste erst von außen besiegt werden, damit das Volk seine Rechte wiedererlangte. Artikel 20.4 des Grundgesetzes ist aus genau dem Grunde geschaffen worden, dem Volk von vornherein das Recht zu geben, die Regierung abzusetzen, sollte so etwas wie 1933 sich zu wiederholen drohen. Damit das Volk aber erkennt, dass es sich bereits wieder auf dem Pfad einer wie auch immer gestalteten Diktatur befindet, muss sich das Volk seines eigenen Verstandes bedienen. In einem zweiteiligen Essay analysiert Birgit Naujeck die derzeitige Situation im Kontext der Geschehnisse und Protagonisten unserer Vergangenheit, weist auf das Kommende hin und zeigt Wege der Eigeninitiative auf, um die digitale ID und damit die Technokratur zu stoppen. Teil 1 beschäftigt sich mit den Protagonisten und ihren Zielen.

Es wäre naiv zu glauben, dass digitale Impfbescheinigungen, die mit unseren biometrischen Identitäten, Bank-, Kredit-, Gesundheits-, Lebensmittelzuordnungsdaten und der in der Entwicklung befindlichen, persönlichen CO2-Zertifikaten verknüpft sind, nicht als Instrument zur sozialen Kontrolle und zur Vernichtung bestimmter Personengruppen verwendet werden könnten. Und auf die Jetztzeit bezogen, gewährt oder verweigert uns dieser „Gesundheitspass“ den Zugang zu öffentlichen Räumen und Veranstaltungen, basierend auf unserem Impfstatus ist erneut eine staatlich verordnete Segregation in Deutschland eingeführt worden — die Wiederauferstehung des Judensterns.

Eine Familiengeschichte

An einem Abend im Juni 1942 wurde mein Großvater von der Gestapo in den Berliner Gestapo-Keller verschleppt; von dort aus ging es im November 1942 ins KZ Buchenwald und im Dezember 1942 zur Endstation: Auschwitz. Zu dem Zeitpunkt war er bereits kein Mensch, kein Subjekt mehr. Er wurde auf eine Nummer reduziert, die ihm in den Arm eingebrannt* war, ein bürokratisches Hilfsmittel, um mittels Transport-, KZ-Listen et cetera eine eindeutige Identifizierung zu gewährleisten und so die organisierte „Fließbandabfertigung“ nicht zu verzögern. Bei Tod wurde die Nummer archiviert. Das Objekt war mit dem Einbrennvorgang geboren.

Woher aber kam die Nummer? War es ein willkürlicher Akt des Einbrennens oder war in guter deutscher Manier die Bürokratie wohlgeordnet? Schlicht und einfach: Informationstechnologie. IBM hatte dem deutschen Staat in den 1930er-Jahren bei Volkszählungen — später weitete IBM diese Befragung auf fast alle von Deutschland zu erobernden Länder aus — unterstützt. Mittels verschiedener Algorithmen wie Stammbaum, Religion — alles, was nach der Rassenlehre der Nationalsozialisten wichtig war — wurde durch IBM die Möglichkeit geschaffen, alle persönlichen Daten eines Menschen auf einer Lochkarte zu erfassen, eine Lochkarte mit einer Nummer, die später noch gebraucht wurde. Edwin Black hat in seinem Buch: „IBM und der Holocaust“ die verbrecherischen Aktivitäten eines Thomas Watson und des Unternehmens IBM detailliert beschrieben.

Der ausgetretene Pfad der sich wiederholenden Geschichte

Ankündigung am 4. März 2021: ModeRNA und IBM planen Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung von Covid-19-Impfstoff-Lieferketten und Vertriebsdaten.

IBM arbeitet mit dem Covid-19-mRNA-Impfstoffhersteller ModeRNA zusammen, um die Impfstoffverabreichung in Echtzeit über seine verschiedenen Blockchain-, künstlichen Intelligenz- und Hybrid-Cloud-Services zu verfolgen. Die Zusammenarbeit wird sich „darauf konzentrieren, den Nutzen von IBM Funktionen in den USA zu untersuchen“, wie beispielsweise ein kürzlich vorgestelltes Projekt für einen Covid-19-Digital-Health-Pass im Bundesstaat New York. Ziel ist es, den Einwohnern von New York eine einfache, freiwillige und sichere Methode zum Nachweis eines negativen Covid-19-Testergebnisses oder einer Impfbescheinigung zur Verfügung zu stellen.

Nur wenige Tage später wurde in der Tagesschau vom 9. März 2021 verkündet, dass IBM den deutschen Impfpass entwickeln wird.

Im Juni 2021 wurde bekannt gegeben, dass IBM seinen „Digital Health Pass“ in die „TrustAssure“-Plattform von „CLX Health“ integriert, ein globales Netzwerk von über 15.000 Laboren in mehr als 82 Ländern. Der Ansatz von IBM ist eher ein B2B- als ein Direktvertrieb.

IBM hat zahlreiche US-Bundesverträge abgeschlossen, darunter den Neunjahresvertrag mit der Volkszählung 2010 für Datenerhebungs- und -verbreitungsdienste. IBM ist auch stark in die Datenverwaltungssysteme „Smart Meter“ und „Smart Energy“ involviert — die Messinfrastrukturlösungen machen es möglich — um das „Smart Grid“ zu beschleunigen.

Damit der Impfpass auch das Gütesiegel des Tiefen Staates erhält, steht MITRE (1) zur Verfügung, das eng in der öffentlich-privaten Partnerschaft, der Vaccine Credential Initiative (2), mit IBM und Regierung zusammenarbeitet. Darüber hinaus kann IBM sein Wissen im Bereich der Strafverfolgung als einer der größten Anbieter von digitalen Profiling-Technologien und KI-Polizeisystemen in der Welt einfließen lassen und somit helfen, Hindernisse, mit denen ModeRNA in der Bevölkerung, die gegenüber Impfungen zögert, konfrontiert ist, zu „überwinden“.

IBM hat sich also mit dem Covid-19-Impfstoffhersteller ModeRNA und MITRE zusammengetan, um ein digitales Health-Pass-System zu entwickeln, das unsere biometrischen Identitäten über seine Smartphone-App mit unseren Gesundheitsdaten verknüpft und Daten zwischen Regierungen, Gesundheitsdienstleistern, biowissenschaftlichen Organisationen, Einzelpersonen und Lebensmittelversorgungsketten sowie globale Finanzsysteme austauscht.

In fast 90 Jahren hat sich nichts geändert — auch nicht die Protagonisten. Nur konzentriert sich der Tiefe Staat dieses Mal nicht lediglich auf Deutschland und zu erobernde Länder; dieses Mal geht es um die Eroberung der gesamten Welt mittels Digitalisierung und dem Ziel, jeden einzelnen Menschen auf einen QR-Code zu reduzieren.

Um dann was zu tun?

IBM und MITRE kennen viele, aber …

Wer oder was ist eigentlich ModeRNA?

Wer sich mit dem Impfstoff befasst, kommt an dem Unternehmen ModeRNA (3) nicht vorbei.

Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) und das National Institutes of Health (NIH) arbeiteten lange vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie an einer neuen mRNA-Impfstoffplattform mithilfe des 2010 gegründeten Biotech-Unternehmens ModeRNA. Ihre strategische Planung begann im Jahr 2013, als ModeRNA mit DARPA-Mitteln Methoden zur Auslösung einer kurzlebigen Immunantwort durch die Verabreichung von mRNA-Impfstoffen entwickelte.

Das Unternehmen Knowledge Ecology International bat die DARPA um Aufklärung über 20 Millionen US-Dollar, die an ModeRNA über mehrere Jahre geflossen sind; ob dieses Geld für die Entwicklung der neuen Impfstofftechnologie genutzt wurde. Die DARPA selbst gibt entsprechende Auskunft über ihre Website zum „Autonomous Diagnostics to Enable Prevention and Therapeutics“ ADEPT Programm: „Der erste Impfstoff gegen das Coronavirus, der an Menschen getestet wird, ist das Ergebnis einer DARPA-Investition in das Unternehmen ModeRNA.“

Bis 2016 war der Genetiker Daniel Wattendorf Programmmanager bei der DARPA und leitete Projekte im Umfeld von Diagnostika, Gentransfer-Medikamente, manipulierte rote Blutkörperchen und RNA-Impfstoffe. Er stand hinter dem ADEPT-Programm im Jahr 2012 und trieb die mRNA-Forschung durch Pfizer und ModeRNA im Jahr 2013 voran. Nach der Leitung dieser mRNA-Impfstoffprogramme nahm er eine Stelle als Direktor von Innovate Technology Solutions bei der Bill and Melinda Gates Foundation an, wo er mit der Entwicklung von diagnostischen Tests und biotechnologischen Plattformen für „globale Gesundheitslösungen“ beauftragt ist.

Der Erfinder der mRNA-Technologie Dr. Robert Malone sagt, dass „ModeRNA im Wesentlichen von der DARPA gegründet wurde“. Millionen von Dollar an DARPA-Zuschüssen ermöglichten den Aufbau des Impfstoffprogramms durch Patente, die an ModeRNA weitergegeben wurden. ModeRNA weigert sich jedoch, diese DARPA-Zuschüsse in den Patentanträgen, die sie für die neue Impfstofftechnologie eingereicht haben, offenzulegen.

Dr. Tal Zaks, Chief Medical Officer bei ModeRNA, erklärte in einem TED-Vortrag 2017, wie der mRNA-Impfstoff des Unternehmens funktionieren soll:

„In den Jahren, die seither vergangen sind, als ich mich zum medizinischen Wissenschaftler ausbilden ließ, erlebten wir diese phänomenale digitale und wissenschaftliche Revolution. Ich bin heute hier, um Ihnen zu sagen, dass wir tatsächlich die Software des Lebens hacken und dass dies die Art und Weise verändert, wie wir über Prävention und Behandlung von Krankheiten denken.“

Weiter teilte er mit:

„In jeder Zelle gibt es eine Boten-RNA oder mRNA genannt, die die entscheidenden Informationen von der DNA, unseren Genen, an das Protein überträgt, aus dem wir alle bestehen. Dies sind die kritischen Informationen, die bestimmen, was die Zelle tun wird. Wir betrachten es also als Betriebssystem.“ Und: „Wenn Sie das ändern könnten, wenn Sie eine Codezeile einführen oder eine Codezeile ändern könnten, stellt sich heraus, dass dies tiefgreifende Auswirkungen auf alles hat, von der Grippe bis zum Krebs.“

Zaks betonte, dass sein Unternehmen 2017 an einem Impfstoff arbeite, der sich nicht wie ein früher hergestellter Impfstoff verhalten würde.

„Stellen Sie sich vor, wir würden dem Patienten nicht das Protein eines Virus geben, sondern ihm Anweisungen geben, wie das Protein hergestellt werden kann und wie der Körper seinen eigenen Impfstoff herstellen kann.“

Zaks sagte, es habe Jahrzehnte gedauert, um das menschliche Genom zu sequenzieren, was 2003 erreicht wurde: „Und jetzt können wir es in einer Woche tun.“ Zaks schloss seine Rede 2017 mit den folgenden Worten ab:

„Wenn Sie darüber nachdenken, was es ist, versuchen wir es zu tun. Diese Informationen und unser Verständnis darüber, wie diese in eine Zelle übertragen werden, haben wir in unser Verständnis der Medizin und der Herstellung von Medikamenten einfließen lassen und das miteinander verschmolzen. Wir betrachten es nunmehr als Informationstherapie.“

Informationstherapie funktioniert genau wie ein Computer-Software-Code (4).

In der Medizin gibt es ein altes Sprichwort: „Die Heilung kann schlimmer sein als die Krankheit.“

Wie von Tal Zaks ausgeführt, nutzen die Covid-19-Impfstoffe die sogenannte synBio-Technologie zur Umprogrammierung des körpereigenen Immunsystems. Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen enthalten mRNA-Impfstoffe keine echten Krankheitserreger, sondern gaukeln dem Körper vor, dass er von einem echten Virus angegriffen wird. Der Körper wird zu einem Computer und erhält die Anweisung, die krankheitserregenden Proteine selbst zu entwickeln, wodurch der menschliche Körper „umprogrammiert“ wird, seine eigenen Antikörper zu produzieren. Die Proteine werden unabhängig und schließen sich nicht wie bei herkömmlichen Impfstoffen zu einem Virus zusammen. Das Immunsystem erkennt dann diese viralen Proteine und beginnt, eine Abwehrreaktion gegen sie zu produzieren.

Tal Zaks hat das Unternehmen ModeRNA mittlerweile verlassen und ist nunmehr für das Generika-Unternehmen teva Pharmaceuticals tätig.

Der biomedizinische Sicherheitsapparat

Am 27. August 2021 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Dokument (5) herausgegeben, das „Leitlinien“ für alle Länder der Welt enthält, wie die digitalen Gesundheitspässe eingeführt werden können/sollen. Diese Leitlinien wurden unter anderem zusammen mit der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) entwickelt, „um einen hochwertigen Standard für die internationale Übernahme und den technischen Informationsaustausch zu gewährleisten“.

Unterm Strich heißt das: Eines der grundlegendsten Rechte in jeder freien Gesellschaft, die Freizügigkeit, wird zunichtegemacht, wenn Stadt, Staat oder Nation dem Rat der WHO, des Weltwirtschaftsforums oder eines ihrer Technologiepartner wie Microsoft, Google, Facebook und so weiter folgt.

In dem WHO-Papier heißt es, der Zweck sei die Bereitstellung von Standards und Spezifikationen für Regierungen und Auftragnehmer, die der Weltbevölkerung digitale Impfpässe ermöglichen wollen: „Dies ist ein Leitfaden für Länder und Durchführungspartner zu den technischen Anforderungen für die Entwicklung digitaler Informationssysteme zur Ausstellung standardbasierter, interoperabler digitaler Zertifikate für den Covid-19-Impfstatus und zu Überlegungen für die Implementierung solcher Systeme zum Zwecke der Kontinuität der Versorgung und des Impfnachweises“ — es handelt sich schlicht um die Vorwegnahme kontinuierlicher Impfungen und Auffrischungsimpfungen.

Auch kann man lesen, was so alles gespeichert werden soll:

„Zu den personenbezogenen Daten gehören: biografische Daten wie Name, Geschlecht, Personenstand, Geburtsdatum und -ort, Herkunftsland, Wohnsitz(land), individuelle Registrierungsnummer, Beruf, Religion und ethnische Zugehörigkeit; biometrische Daten wie ein Foto, ein Fingerabdruck, ein Gesichts- oder Irisbild; Gesundheitsdaten sowie jegliche Meinungsäußerung über die Person, wie zum Beispiel Bewertungen ihres Gesundheitszustands und/oder ihrer spezifischen Bedürfnisse“ (6).

Die Bescheinigungen selbst können sowohl auf einem analogen Dokument ausgedruckt oder auf einem Smartphone gespeichert werden. An alles ist gedacht.

Ganz nonchalant erklärt die WHO auf Seite 14: „Impfpässe können auch als Nachweis für den Impfstatus für Zwecke dienen, die nicht mit der Gesundheitsversorgung zusammenhängen.“ Das Fundament für die Digitalisierung des Menschen wird in eine Art Nebensatz verpackt. Das zieht natürlich Begehrlichkeiten aller Art nach sich. Die üblichen Verdächtigen drängen auf die totale Kontrolle — einzelne Länder/US-Bundesstaaten machen den Anfang — ohne Weltwirtschaftsforum geht aber nichts:

  • Mississippi, Utah sowie auch andere US-Staaten haben angekündigt, dass der neue digitale Führerschein den Impfstatus beinhalten wird. Ganz nebenbei wird der Führerschein noch mit folgenden Daten aufgewertet: Gesundheitsdaten, Finanzberichte, Kreditwürdigkeit, Reiseaufzeichnungen, Fahrzeugzulassung, Ausgaben, Stimmabgabe, Sexualstraftäterstatus, Bußgelder, Soziales Kreditscoring,
  • Im Sommer 2021 forderte EU-Kommissarin Margrethe Vestager den digitalen Personalausweis, mit dem man auch online einkaufen sowie sich auf Social-Media-Plattformen wie Facebook anmelden kann. Das gilt nur für Plattformen mit mehr als 45 Millionen Nutzern — kleine Unternehmen sollen von vornherein ausgeschlossen werden.
  • Im Oktober 2021 wird bekannt, dass die schottische NHS-Mobiltelefon-App (Impfpass App) Daten mit Unternehmen wie Amazon, Microsoft, ServiceNow, Royal Mail und einer KI-Gesichtserkennungsfirma teilt. Keiner der App-Nutzer wurde darüber informiert beziehungsweise hat eine Einwilligung zur Weitergabe seiner ganz persönlichen Daten gegeben.
  • Im Oktober 2021 hat das Weltwirtschaftsforum einen Bericht mit dem Titel „Accelerating the Transition to Digital Credentials for Travel“ veröffentlicht. Bereits 2018 wurde der digitale Reisepass „Known Digital Traveller Identity“ (KDTI) entwickelt, der durch das Impfzertifikat erweitert werden kann — Seite 5 des PDFs,
  • Im Oktober 2021 veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum einen Bericht, wie die digitale ID, die über das Impfzertifikat weltweit eingeführt wurde, das Leben der Menschen erleichtert, und verkündet, dass digitale ID-Programme für modernisierte Finanzdienstleistungen entscheidend sein werden.
  • Québec erwägt die Möglichkeit, von Privatunternehmen ausgestellte Dokumente, wie zum Beispiel Versicherungsnachweise, in sein digitales Identitätsportfolio aufzunehmen, das 2025 eingeführt werden soll. Auch die Kreditkarte könnte in die digitale Brieftasche integriert werden. Die digitale Identitätsmappe soll von der Regierung von Québec ausgestellte Identitätsnachweise wie die Krankenversicherungskarte, die Geburtsurkunde oder den Führerschein umfassen. Die Regierung führt Gespräche mit Finanzinstituten, um die Möglichkeit zu prüfen, auch nicht staatliche Dokumente in das Portfolio aufzunehmen.

Der Souverän sollte alles über seine Regierung wissen — was in meinen Augen der Demokratie entspricht, etwas, was in Deutschland nicht stattfindet. Nein, die Regierung wird alles über jeden einzelnen Bürger wissen — das ist Tyrannei, die Voraussetzung für die globale Technokratur.

Mittels Massenpsychose wird die Gesellschaft gespalten, Druck auf Ungeimpfte ausgeübt, Segregation ist Tagesordnung. Mit Gesundheit haben weder die politischen Maßnahmen (7) noch das gegenwärtige Gesundheitssystem zu tun.

Europaabgeordnete haben sich bereits zu Wort gemeldet, um die Tyrannei einer Ursula von der Leyen öffentlich zu machen, haben den Lobbyismus der Kommissionspräsidentin und ihrer Entourage aufgezeigt und dem Souverän signalisiert, dass das EU-Parlament nicht durchgängig von Big Pharma, Big Tech so wie den bekannten Philanthropen an der Leine geführt ist.

Quellen und Anmerkungen:

(1) Die als MITRE bekannte Organisation ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das fast ausschließlich von Fachleuten des militärischen Geheimdienstes geleitet wird und sich durch umfangreiche Verträge mit dem Verteidigungsministerium, dem FBI und dem nationalen Sicherheitssektor finanziert. Das Bestreben, QR-Code-Impfpässe über Bundesstaaten wie Kalifornien und New York hinaus auszuweiten, dreht sich nun um eine öffentlich-private Partnerschaft, die als Vaccine Credential Initiative (VCI) bekannt ist. Und die VCI hat MITRE eine wichtige Rolle in ihrer Koalition zugedacht. Das MITRE, das von Forbes als „Mantel- und Degengeschäft (für Forschung und Entwicklung)“ beschrieben wird und „die wichtigste Organisation ist, von der Sie noch nie gehört haben“, hat einige der invasivsten Überwachungstechnologien entwickelt, die heute von den US-Spionagebehörden eingesetzt werden. Zu den neuartigsten Produkten gehört ein für das FBI entwickeltes System, das die Fingerabdrücke von Personen auf Bildern erfasst, die in sozialen Medien veröffentlicht werden.
Zur MITRE eigenen Covid-19-Dachkoalition gehören In-Q-Tel, der Risikokapitalzweig der Central Intelligence Agency, und Palantir, eine skandalumwitterte private Spionagefirma.
Elizabeth Renieris, Gründungsdirektorin des Notre Dame IBM-Labors für Technologieethik, hat gewarnt, dass „marktbeherrschende Technologie- und Überwachungsunternehmen“ wie MITRE „neue Einnahmequellen im Gesundheitswesen und bei Finanzdienstleistungen anstreben (…) privat geführte und betriebene ID-Systeme mit gewinnmaximierenden Geschäftsmodellen die Privatsphäre, die Sicherheit und andere Grundrechte von Einzelpersonen und Gemeinschaften bedrohen“-
In der Tat ist die Beteiligung des militärischen Geheimdienstes an der Entwicklung eines digitalen Impfpasses ein weiterer Hinweis darauf, dass der US-Überwachungsstaat/weltweit Tiefe Staat unter dem Deckmantel der öffentlichen Gesundheit seine Kontrolle über eine zunehmend unruhige Bevölkerung ausbauen will.
(2) Die „Vaccine Credential Initiative“ (VCI) wurde von der Mayo Clinic, MITRE Corporation, Microsoft, The Commons Project Foundation, Evernorth, CARIN Alliance, UC San Diego Health und Apple gegründet. Ihr Ziel ist es, „die Standards zu harmonisieren und die Entwicklung von Implementierungsleitfäden zu unterstützen, die für die Ausstellung, den Austausch und die Validierung von an eine individuelle Identität gebundenen Impfnachweisen erforderlich sind“. Die Gründungsmitglieder erstellten den „SMART Health Cards Framework Implementation Guide„, der auf den Standards des „World Wide Web Consortium (W3C) Verifiable Credential und Health Level 7 (HL7) SMART on FHIR“ basiert, sowie dem „SMART Health Cards: Vaccination & Testing Implementation Guide„. Weitere Informationen zu VCI und CIA: Link.
(3) ModeRNA wurde 2010 gegründet, um die Forschung des Zellbiologen Derrick Rossi vom Boston Children’s Hospital zu vermarkten. Die Bemühungen, mit der Gründung von Moderna Gewinn zu machen, begannen kurz nachdem Rossi einen Bericht über die Fähigkeit von modifizierter RNA, Hautzellen in verschiedene Gewebetypen zu verwandeln, veröffentlicht hatte.
(4) Der Vorgang, der an ein Microsoft Windows-Update erinnert, erscheint sich mit der mRNA-Technologie nunmehr in unseren Körpern, der Hardware, abzuspielen. Dieser Impfstoff, der nach dem Vorbild sowjetischer Biowaffen entwickelt wurde, bei denen DNA-Segmente von zwei oder mehr künstlichen DNA-Molekülen in den Zellkern eingefügt und verändert werden, um neue „künstliche“ genetische Kombinationen zu erzeugen, wird benutzt werden, um uns in eine zukünftig neue körperliche Dimension zu verwandeln.
(5) Eine Kurzfassung des 99-seitigen Dokuments mit hilfreichen Grafiken findet man hier. Zu den Mitwirkenden an diesem Leitfaden gehören viele Abteilungen der WHO sowie Mitarbeiter der Weltbank, der Universitäten, der Europäischen Kommission, von PATH und vielen mehr. Das „Projekt“ wurde von der Bill and Melinda Gates Foundation, der Regierung von Estland, der Fondation Botnar, dem Staat Kuwait und der Rockefeller Foundation finanziert.
(6) Die Akteure geben immer wieder an, dass sie sehr darauf bedacht sind, den „Datenschutz“ richtig zu gestalten, jedoch beseitigt eine digitale Identität die Privatsphäre. „Kryptografisch sicher“ bedeutet lediglich, dass die Menschen zwar untereinander Privatsphäre haben, aber alle ihre Daten sind in der blockchain bei den Strippenhaltern gespeichert. Die 2007 von rund 70 Organisationen, Philanthropen et cetera gegründete Linux-Stiftung wurde ausgewählt, die Rolle des „Hüters persönlicher Daten“ zu spielen.
Die Linux Foundation hat die Initiative „Covid-19 Credentials Initiative“ ins Leben gerufen, die von der „Linux Foundation Public Health“ (LFPH) betreut wird. Ihr Ziel ist es, „Open-Source-Software zu entwickeln, zu sichern und aufrechtzuerhalten, um die öffentlichen Gesundheitsbehörden bei der Bekämpfung von Covid-19 und künftigen Epidemien zu unterstützen“. Nach eigenen Angaben handelt es sich bei ihrer Initiative um „eine offene globale Gemeinschaft, die zusammenarbeitet, um die interoperable Nutzung von auf offenen Standards basierenden, datenschutzfreundlichen Berechtigungsnachweisen und anderen verwandten Technologien für Zwecke der öffentlichen Gesundheit zu ermöglichen“.
Sie arbeiten daran, die Verwendung von Verifiable Credentials (VCs) voranzutreiben, und verwenden digitale Geldbörsen und Führerscheine als Beispiele, wobei sie erklären, dass VCs „eine Person für bestimmte, vom Verifizierer definierte Arten des Zugangs qualifizieren“.
Bis November 2020 hatten sie ein „Governance Framework“ geschaffen. Die LFPH hat eine Reihe von führenden Mitgliedern wie Tencent, IBM, Cisco, China Academy of Information and Communications Technology (CAICT) und viele andere.
Facebook ist nicht nur Platin-Mitglied der Linux Foundation, sondern Kathy Kam, Leiterin der Open-Source-Abteilung bei Facebook, wurde im November 2019 Mitglied des Linux-Vorstands. Zufälligerweise ist Facebook nicht nur einer der Hauptbeitragszahler, sondern trägt auch durch seine jüngste finanzielle Unterstützung der Linux Foundation dazu bei, die größte gemeinsame Technologie-Investition in der Geschichte zu unterstützen — mit rund 16 Milliarden US-Dollar an Entwicklungskosten für über 100 Projekte. Microsoft hat seine Mitgliedschaft bei der Linux Foundation im Jahr 2016, kurz nach der Einführung von ID2020, auf Platinstatus aufgestockt. S, IBM, Oracle, Fujitsu, Intel und andere sind schon vor langer Zeit Platinmitglieder der Linux Foundation geworden. Im Februar 2021 kündigte die Linux Foundation die „DizmeID Foundation“ an, die von Algoran, Fabrick und InfoCert gegründet wurde, und ein technisches Projekt, an dem sie arbeiten, um die Entwicklung und Ermöglichung digitaler Identitätsnachweise zu unterstützen.
Im Juni 2021 startete die Linux Foundation das „Vertrauensnetzwerk“ namens „Global Covid Certificate Network“ (GCCN), um Ländern ein globales Vertrauensregister für interoperable Covid-Zertifikate zur Verfügung zu stellen, unter dem Deckmantel von „Bemühungen zur Wiedereröffnung der Grenzen“. Die Organisationen, die hinter diesem Netzwerk stehen, sind die gleichen, die auch den „Good Health Pass“ unterstützen, der wiederum von den Gründern von ID2020 ins Leben gerufen wurde.
(7) Allein die Frage, warum bis heute Maskenzwang herrscht, es aber noch kein Gesetz mit hinterlegtem Bußgeldkatalog für das falsche Entsorgen der kontaminierten Masken verabschiedet ist, gibt bereits Antwort auf alle getroffenen politischen Maßnahmen, die nichts mit der Gesundheit der Bevölkerung zu tun haben.

*siehe auch: Moderne Brandzeichen


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 25.01.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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Allgemein

Welchen Vorteil haben KMUs von Digitalisierung in der Bildung?

Digitalisierung von Bildung als neoliberales Projekt

Das Internet wird zum Brandbeschleuniger der Globalisierung und Infrastruktur des neoliberalen Regimes.

von Matthias Burchardt

In den 80er Jahren wurde den Studierenden an den westlichen Hochschulen politische Leidenschaft, Kritik und das Engagement für eine gerechte Welt durch den Hinweis auf das „Ende der großen Erzählungen“ aberzogen. Wie immer man zu Lyotard, dem Autor dieser – selbst durchaus nicht kleinen – Erzählung vom Ende der Utopien und Sinnklammern, stehen mag, scheint er doch von der Geschichte selbst widerlegt worden zu sein: Die Narrative der „Globalisierung“ oder auch der „Digitalisierung“ haben beinahe uneingeschränkte Hegemonie gewonnen, ihre Alternativlosigkeit entfaltet Sachzwang- und Legitimationskaskaden, die weiteren Begründungsbedarf oder gar alternative Gestaltungsabsichten schlichtweg pulverisieren. Politisches Handeln, das auf dieser Welle schwimmt, ist per se legitimiert, Skeptiker und Kritiker kommen gegen die Macht der großen Erzählung kaum an. Zumal auch die Mächtigen selbst sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

2013 etwa tagte die informelle Bilderberger-Konferenz zu Themen wie: „How big data is changing almost everything“ oder „Online education: promise and impacts“. Die teilnehmenden deutschen Politiker sind Christian Lindner, FDP, („Das Digitalste an der Schule darf nicht die Pause sein“) und Kurt Lauk, zu der Zeit Präsident des Wirtschaftsrates der CDU – Die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft. Lauk kritisierte dann in der Folge auch im Handelsblatt die Nachteile des Datenschutzes bei der Schürfung der digitalen Rohstoffe durch Big Data.

Bevor nun der Vorwurf der Verschwörungstheorie aufkeimt, sei darauf hingewiesen, dass man auch ohne die Teilnahme an informellen Konferenzen subtil die Interessen der IT-Lobby oder des militärisch-kybernetischen Komplexes vertreten kann. Andreas Pinkwart, FDP-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie in NRW, etwa offenbart in einem Interview „Ich bin digital im Kopf“ und kündigt einen Masterplan der Digitalisierung an.

Digitale Querfront?

Ob auch die Linken MdB Halina Wawzyniak und Nicole Gohlke digital im Kopf sind, bleibt offen, aber auf der vom Klett-Verlag betriebenen Plattform excitingedu.de werden beide in Hinblick auf eine Positionsbestimmung der Linken wie folgt zitiert:

„Um die Potenziale der digitalen Wirtschaft voll ausschöpfen und die digitalen Gründungsbedingungen verbessern zu können, müssen als erstes die Schulen reformiert werden, so die netz- und rechtspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Halina Wawzyniak. […] Im Angesicht der immer weiter voranschreitenden Durchsetzung fast aller Lebensbereiche mit digitaler Technik, etwa bei der Arbeit, dem Wohnen, der Kommunikation, dem Einkaufen, aber auch der Partnersuche, seien umfassende und effiziente Digitale Bildungsmaßnahmen schlicht lebensnotwendig, gibt auch die hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin, Nicole Gohlke, zu bedenken.“

Wird den Politikerinnen hier etwas in den Mund gelegt? Ein Blick auf die Internetseite der Linken belegt das Zitat:

„Die Digitalisierung breitet sich rasant in allen Lebensbereichen aus: Ob Arbeiten, Wohnen, Kommunizieren, Einkaufen oder Partnersuche – das Leben ist schon jetzt davon durchdrungen, und die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen. Und nicht selten scheint es so, als seien wir der technischen Entwicklung machtlos ausgesetzt.
Allerdings ist das Wesen der Maschine kein technisches, sondern ein soziales. Denn Maschinen produzieren dort, wo Menschen es möchten. Das kann aus Profitgier oder aus Gründen der Arbeitserleichterung passieren. Ein einlösbares Freiheitspotenzial ist damit genauso vorhanden wie die Vergrößerung der Macht von Menschen über Menschen.
Dazu ein Beispiel aus der Bildung. Die New Yorker David-Boody-Schule wurde nach dem Konzept der ‚New Classrooms‘ umgestaltet. Statt im Frontalunterricht lernen die Schüler/innen in einem einzigen großen Raum an wechselnden Stationen. Manche reden mit ihren Lehrer/innen, andere nutzen Lernsoftware, wieder andere machen Gruppenarbeit. Am Ende eines jeden Tages machen sie einen kurzen Online-Test. Die Software errechnet, in welchen Bereichen sie am nächsten Tag nachlernen müssen und welche Methode dafür individuell am besten geeignet ist. Die Lehrenden sind nicht überflüssig, aber sie haben eine andere Rolle – sie sind vor allem Lernbegleiter/innen. Im regionalen Vergleich erzielt diese Schule Spitzenwerte.“

Immerhin wird auf Interessen von digitalen Anbietern wie Bertelsmann verwiesen, die Alternativlosigkeit der großen Erzählung von der Digitalisierung selbst aber nicht in Frage gestellt. Ein wenig nachdenklich stimmt allerdings, dass auch der Digitalisierungsapostel Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung selbst die David-Boody-Schule mit ganz ähnlichen Formulierungen anpreist:

„In einem riesigen Raum der New Yorker David-A.-Boody-Schule lernen etwa 90 Schüler jahrgangsübergreifend Mathematik an wechselnden Stationen. Die einen schauen Videos, die anderen nutzen Lern¬software, andere arbeiten in Gruppen oder sprechen mit dem Lehrer. Jeder einzelne Schüler kann in seiner Lerngeschwindigkeit und auf seinem Leistungsniveau arbei¬ten. Basierend auf den Leistungen errechnet Software nachts ein individuelles Curriculum für jeden Schüler. Ein Schüler kommt morgens in die Schule und sieht auf dem Bildschirm: ‚Aha, ich muss an Station 7 noch Bruchrechnen wiederholen‘, während andere Schüler der Klasse schon viel weiter sind und an ganz an-deren Lektionen arbeiten. Kommt einer der Schüler mit dem Lernprogramm nicht weiter, erhält der Lehrer automatisch einen Hinweis und kann gezielt helfen. Das geht nicht für alle Schüler gleichzeitig, aber für die¬je¬nigen, die gerade Hilfe nötig haben. Leh-rer werden so zu Lernbegleitern. Sie verwenden weniger Zeit darauf, Standardwissen zu vermitteln, und mehr, auf den Einzelnen einzugehen.“

Auf der einen Seite finden sich politisch korrekt gegenderte Bezeichnungen und ein emanzipatorisch grundiertes Individualisierungspathos, auf der anderen Seite werden die Effizienzgewinne einer algorithmischen Mechanisierung von Unterricht gelobt. Vereint ist man in der Beschwörung technischer Lösungen für das zwischenmenschliche Praxisfeld der Pädagogik. Eine ausführliche Widerlegung dieses Ansatzes findet sich hier.

Den Digitalismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf

Auch die Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft (vbw) stößt in dasselbe Horn. Der Aktionsrat Bildung hat in seinem Gutachten „Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen in der Bildungspolitik.“ in diesem Frühjahr die Notwendigkeit einer digitalen Bildungsreform förmlich herbeigetrommelt. So titelte die Süddeutsche Zeitung unter Bezugnahme auf eine dpa-Meldung am 10. Mai: „Schulen müssen digitaler werden“, denn das vbw-Gutachten habe belegt, dass „schon Grundschüler, die einmal pro Woche am Computer arbeiten, deutlich bessere Kompetenzen im Bereich Mathematik und Naturwissenschaft hätten.“

Schon wenige Tage später wurde jedoch der Nachweis erbracht, dass die hier über Qualitätsmedien verbreitete Information unzutreffend war. Einer kritischen Leserin war aufgefallen, dass die vbw-Studie Ergebnisse einer anderen Forschungsarbeit ins absolute Gegenteil verfälscht wiedergab.

Denn tatsächlich waren die Forscher ursprünglich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kinder am Computer „statistisch signifikant niedrigere Kompetenzen aufwiesen als jene Grundschulkinder, die seltener als einmal pro Woche Computer im Unterricht nutzten.“ (S.78; https://www.vbw-bayern.de/vbw/Aktionsfelder/Bildung/Bildung-neu-denken/Studie-Aktionsrat-Bildung-Bildung-2030.jsp).

Die peinliche Stelle wurde in der vbw-Studie kommentarlos korrigiert und mittels dpa durch die SZ am 24. Mai verlautbart, dass tatsächlich die Schülerinnen und Schüler weniger lernten, dass aber dennoch die Schulen digitaler werden müssten.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Eine Reihe von Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen nimmt diesen Skandal zum Anlass, einen kritischen Brief an die Kultusminister zu schreiben, in dem der unaufgelöste Widerspruch wie folgt aufgespießt wird:

„Das heißt auf gut deutsch: Was immer sogar selbst in Auftrag gegebene Studien ergeben – die Digitalisierung von Schule und Unterricht bleibt das Ziel der Wirtschaftsverbände und der ihnen zuarbeitenden Wissenschaftler.“

Digitalisierungspolitik geschieht also im postfaktischen Raum der Propaganda. Das Realitätsprinzip soll kein Hindernis darstellen bei der Exekution der großen Erzählung von der Digitalisierung.

Wer sind die Erzähler dieses Erlösungsmärchens? Welche Interessen und Akteure stehen hinter diesen Machenschaften?

Ross und Reiter: Die Digitalisierungskampagne der Wirtschaft nimmt die Politik an die Kandare

Die Plattform „Digitalisierung in Bildung und Wissenschaft“ vereint unter dem Label des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Vorsitz von Frau Wanka neben Verbandsvertretern und Wissenschaftlerinnen auch Repräsentanten der Autoindustrie und der IT-Wirtschaft. August-Wilhelm Scheer von der Scheer Group, einem umsatzstarken IT-Unternehmen, ist sogar der Co-Vorsitzende der Plattform.

Auch ein Vertreter des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam ist mit im Boot. Hasso Plattner ist der Gründer des Unternehmens SAP. Natürlich sind auch die Telekom und der Branchenverband Bitkom vertreten. Erziehungswissenschaftlerinnen oder Vertreter der Lehrer sucht man indes vergebens in diesem Kreis, der sich anmaßt Bildung, Schule und Universität der Maschinenlogik zu unterwerfen.

Verlogene digitale Emanzipationsverheißungen haben Tradition

Manchmal hilft ein Blick in die Geschichte der Urteilskraft auf die Sprünge, denn die Produzenten der öffentlichen Meinung leben von der Vergesslichkeit der Menschen. Schon an wenigen historischen Stationen lässt sich aufweisen, dass das Emanzipationspotential von Computern und Internet durch die Konzerne nur beschworen wurde, um die eigenen Macht- und Gewinninteressen durchzusetzen.

Als in den 90er Jahren die Clinton-Regierung mit dem ›Telecommunication Reform Act‹ versuchte, regulierend auf den Datenverkehr einzuwirken, wurde diese Maßnahme von Internet-Aktivisten als Zensur wahrgenommen und angeprangert. Insbesondere die ›Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace‹ von John Perry Barlow aus dem Jahr 1996 kann schon aufgrund ihrer breiten Rezeption als ein Schlüsseldokument dieser Epoche betrachtet werden, aber auch inhaltlich verdichten sich darin exemplarisch wesentliche Motive einer bis heute nachwirkenden emanzipatorischen Legitimation des Internets.

„Regierungen leiten ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten ab. Unsere habt Ihr nicht erbeten, geschweige denn erhalten. Wir haben Euch nicht eingeladen. Ihr kennt weder uns noch unsere Welt. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete. […]
Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft. […] Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelne an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen. Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständlichkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie. Unsere persönlichen Identitäten haben keine Körper, so dass wir im Gegensatz zu Euch nicht durch physische Gewalt reglementiert werden können.“
(Barlow, John Perry: Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. 1996. https://www.heise.de/tp/features/Unabhaengigkeitserklaerung-des-Cyberspace-3410887.html)

Analog zu einer Unabhängigkeitserklärung eines neu entstehenden Staates weist Barlow gesetzliche Restriktionen seitens der amerikanischen Regierung zurück und fordert Souveränität für das Internet, den Cyberspace. Seine Argumentation verläuft in zwei Bahnen: politisch werden die nationalstaatlichen Machthaber für unzuständig erklärt, da sich deren Herrschaftsanspruch lediglich auf die realen Räume von Staatsterritorien beziehe und nur durch deren Bewohner legitimiert sei. Zwischen den Bürgern des cyberspace und den realstaatlichen Regierungsakteuren aber bestehe kein solches Legitimationsverhältnis, so dass der Zugriff als invasiv-feindlicher Akt zurückzuweisen sei.

Die zweite Argumentationslinie, die wohl die erste stützen soll, besteht auf einem kategorialen Unterschied zwischen realen und virtuellen ›Welten‹: Der amerikanische Präsident darf nicht auf den Cyberspace zugreifen und er kann es auch nicht, weil die Verfasstheit und Artikulation von Herrschaft und Recht auf unterschiedlichen Grundbegriffen beruhe: Während die reale Welt durch das Modell von Materialität und Gegenständlichkeit geprägt sei, erscheine die virtuelle Welt des Cyberspace immateriell und geistig. Dies zeige sich beispielsweise am Begriff des Eigentums, der gemeinhin die Materialität der Dinge voraussetze.

Der Dieb, der mir etwas entwendet, bewirkt einen Ortswechsel des Objekts, so dass dieses bei ihm anwesend und bei mir abwesend ist. Der Diebstahl im Cyberspace geschieht im Modus der Vervielfältigung, der Dieb ist ein Raub-Kopierer, der sich selbst in den Besitz von etwas bringt, ohne dass es nachher dem ursprünglichen Eigentümer fehlt. Auch die Ausübung von Herrschaft durch Gewaltandrohung oder -anwendung trifft auf den Cyberspace nicht zu. Niemand kann Panzer auf der Google-Homepage auffahren. Die ›Identitäten‹ der Cyberspace-Bewohner sind Avatare, die sich an keiner Staatsgrenze im Stacheldraht verheddern oder durch Gefängnisstrafen eingeschüchtern lassen.

Dinglichkeit und Räumlichkeit bestimmen auch die Grundkonzepte des Staatlichen schlechthin: Der Geltungsbereich der Herrschaft für einen umgrenzten Bezirk der Erde und die Legitimation derselben durch die physisch lokalisierbaren Bewohner dieser Bezirke, durch die Staatsbürger. Der Cyberspace ist dagegen total, nicht weil er die ganze Erde umfasst, sondern weil er letztlich ortlos ist. Seine Bewohner sind – nach Barlows Vorstellung – aller realstaatlichen und auch sozio-kulturellen Fixierungen entbunden.

Dieses Abstreifen der Fesseln der materiellen Existenz ermöglicht nun für Barlow die Verwirklichung einer idealen Existenz: Meinungsfreiheit, individuelle Selbstverwirklichung, Toleranz, Frieden, Gerechtigkeit, Teilhabe, umfassende Bildung, Demokratisierung von Wissen und geteilter Wohlstand für alle scheitern nicht mehr an der Schwerkraft des Politischen, alle Menschheitsträume realisieren sich vielmehr in der grenzenlosen Kommunikation und universellen Vernetzung des Cyberspace.

Nüchterne Bilanz: Wir sind ihnen ins Netz gegangen!

20 Jahre später klingen diese Verheißungen ein wenig naiv: Anstelle von Meinungsfreiheit im Netz beklagen wir Phänomene wie Shitstorms gegen Meinungsabweichler, aber auch systematisches public opinion management durch „astroturfing“, d.h. die globale Produktion von Stimmungen und Meinungen in Echtzeit durch Manipulationsprogramme.

Die Demokratisierung von Kommunikation wird zwar nicht unbedingt durch staatliche Intervention, wie in China oder der Türkei, unterlaufen, sondern auch durch die Zensur seitens der Plattformbetreiber sozialer Netzwerke (facebook) oder interessengeleitete Journalisten (Vgl. Artikel zu Correctiv auf dem Rubikon), aber auch durch die konsenserzwingenden gruppendynamischen Tribunale des ›Likens‹, mitunter angeheizt durch inquisitorische Meinungsgouvernanten mit ideologischer Agenda, die Abweichler am Internetpranger bloßstellen.

Hinzu kommen die Enthüllungen zur globalen Überwachung und Speicherung von privaten Daten und Kommunikationen durch Edward Snowden. Allein das Wissen um die Überwachung pflanzt den Nutzern einen inneren Zensor ein und kontrolliert dadurch ihr Verhalten im Netz. Als weitere Phänomene im Zusammenhang mit der vermeintlichen Meinungsfreiheit im Netz wäre schließlich das Phänomen der ›Filterblasen‹ anzuführen: Einerseits gibt es – in Anbetracht der unübersichtlichen Informationsfülle – eine Neigung, bevorzugt dasjenige zur Kenntnis zu nehmen, das mit den eigenen Einstellungen übereinstimmt.

Andererseits personalisieren die Algorithmen der Suchmaschinen die Ergebnisse auf Grundlage des errechneten Nutzerprofils und filtern dadurch ihrerseits potentiell abweichende Informationen aus. Dadurch ergibt sich gerade durch die Unbegrenztheit des verfügbaren Wissens keine Weitung der Meinungsbildung, sondern eine Verengung und Fixierung. Der Nutzer hält sich für informiert, findet sich allenthalben bestätigt und hat keinen Anlass an der Verallgemeinerbarkeit seiner Auffassung zu zweifeln.

Entsprechend fadenscheinig ist auch die Verheißung der Nicht-Diskriminierung geworden: Unter Jugendlichen gerät Cyber-Mobbing zum alltäglichen Kavaliersdelikt, Youtube-Filme stellen Menschen in peinlichen Situationen bloß und einmal veröffentlichte Verleumdungen sind selbst aus vermeintlich seriösen Plattformen wie Wikipedia kaum wieder zu entfernen, wie eine exemplarische Analyse in Bezug auf den Wikipediaeintrag des Schweizer Wissenschaftlers Daniele Ganser zu Tage gefördert hat. (Die dunkle Seite der Wikipedia. Film von Markus Fiedler und Frank Michael Speer; https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA).

Auch die Hoffnung einer freien Produktion und Vertreibung von Inhalten und Ideen ist durch die Monopolstellung von Google, Amazon und Apple konterkariert. Das Urheberrecht begünstigt weniger die Urheber als die Contentvertreiber. Selbst populäre Musiker beispielsweise können aus dem digitalen Vertrieb ihrer Werke kaum Gewinne erzielen und finanzieren sich deshalb zunehmend durch Konzerteinnahmen.

Auch Frieden hat sich durch oder im Cyberspace nicht wie versprochen eingestellt. Im Gegenteil tobt ein wenig übersichtlicher Informationskrieg um die Vorherrschaft über die öffentliche Meinung und – ebenso gravierend – der Cyberwar, der mittels Software zerstörerische Einwirkung auf die digitale oder reale Infrastruktur von Staaten, Unternehmen oder Organisationen unternimmt. Im Oktober 2016 etwa kündigten die Vereinigten Staaten offiziell einen Cyberangriff auf den Kreml an, eine digitale Kriegserklärung.

Auch ist der Cyberspace kein Ort friedlicher Gemeinschaft geworden: Waffen- und Menschenhandel, Kinderpornographie, Betrug, Identitätsdiebstahl usf. lassen ihn eher als rechtsfreien Raum erscheinen, in dem der Stärkere den Schwächeren übervorteilt. Den positiven Kontakterlebnissen in Foren und Netzwerken steht die reale Vereinsamung vieler Nutzer gegenüber, deren Sozialleben weitgehend vom Cyberspace absorbiert wird, wo sie letztlich keine Begegnung, sondern nur visuell aufbereitete Information eines anderen Einsamen finden.

Selbst politische Bewegungen, die unter Mobilisierungsplattformen wie change.org entstehen, sind nur Karikaturen des Politischen. Der Klick unter einem Petitionstext ist kaum mehr als eine Entlastungshandlung, wenn danach die Bürgerinnen und Bürger nicht zueinanderfinden, um ihr Anliegen einvernehmlich handelnd zu artikulieren.

Der Cyberspace ist in seiner Struktur vereinzelnd und fördert unter der Illusion von Gemeinschaft die Option des ›divide et impera‹.

Die Katastrophe ist absehbar

In der Summe ging die emanzipatorische Hoffnung auf ein Aufblühen des Guten im Medium des Cyberspace nicht in Erfüllung. War Barlow naiv? Konnte man damals einfach noch nicht absehen, dass das neue Medium des Cyberspace diesen unvorteilhaften Weg nehmen würde?

Schon 1995, also ein Jahr vor Barlows Erklärung, schrieb der Medientheoretiker Friedrich Kittler ungleich skeptischer:

„Die gute alte Zeit, in der jeder auf seinem Computer machen durfte, was er wollte, ist längst vorbei. Wir werden alle kontrolliert auf unseren Maschinen, und je vernetzter die Maschinen werden, desto strenger werden die Kontrollen und die Schutzmechanismen.
Und die Bürokratien, die eingebaut sind. Das Netz wird auch bestenfalls dieses Jahr noch frei sein, im nächsten Jahr gehört es wahrscheinlich dem großen Geld, und dann funktionieren die Kontrollen.“
(Kittler, Friedrich: Short Cuts. 2002.)

Sowohl die ökonomischen Interessen als auch die Kontroll- bzw. Steuerungsfunktion des Cyberspace wurden also bereits von Kritikern der ersten Stunde angemahnt. Kittler verweist insbesondere auf die Herkunft der Technologie aus dem Feld des Militärischen:

„Ich kann nur sagen, der Computer ist nicht erfunden worden, um den Menschen zu helfen. In Wahrheit sind beide, Atombombe und Computer, Produkte des zweiten Weltkriegs. Kein Mensch hat sie bestellt, sondern die militärische und strategische Situation des zweiten Weltkriegs hat sie notwendig gemacht. Es waren von vornherein keine Kommunikationsmittel, sondern Mittel des totalen Kriegs, die jetzt als spinoff in die Bevölkerung hineingestreut werden.“ (A.a.O.)

Er weist dabei auf die weltkriegsentscheidende Bedeutung der Kybernetik hin, durch die etwa die britische Luftabwehr mittels der ›predictor machine‹ den Angriff der Wehrmacht zurückweisen konnte. Daraufhin berieten Wissenschaftler, Politiker und Geheimdienstvertreter in den Nachkriegsjahren über die Nutzung des kybernetischen Modells zur Steuerung von offenen Gesellschaften in den Macy-Konferenzen.

Schon der apostrophierte Vater der Kybernetik, Norbert Wiener, warnte in seinem Buch „Mensch und Menschmaschine“ vor den Gefahr einer „machine à gouverner“ (Wiener, Norbert: Mensch und Menschmaschine. Frankfurt 1964. S, 195), einem Computer der das Politische insgesamt aufsaugt und Herrschaft in Kontrolle und Steuerung auflöst.

Der Futurologe Herman Kahn, der als Berater der US-Regierung nicht nur Geschichte prognostizieren, sondern mitgestalten konnte, weist bereits 1970 das Potential des Computers aus:

„Eines Tages wird es wahrscheinlich in jeder Wohnung einen kleinen Computer geben, der vielleicht mit öffentlichen Datenverarbeitungsanlagen und mit privaten Speicherplätzen in einem Zentralcomputer verbunden ist. […] Computer werden wohl auch als Lehrmittel verwendet werden. Ein Computer kann Hunderte Studenten gleichzeitig unterrichten – jeden an seinem eigenen Gerät und über ein spezielles Thema; er ist für jede Schulstufe geeignet.“ (Kahn, Herman: Ihr werdet es erleben. Hamburg 1971. S.106)

Neben der pädagogischen Nutzung und der Prognose einer allumfassenden digitalen Infrastruktur werden auch die Ansatzpunkte für ein totalitäres Überwachungsregime angesprochen:

„Abhöreinrichtungen und kurzzeitige (oder auch dauernde) Tonaufnahmen werden künftig sehr billig werden. Ein beträchtlicher Teil aller Telephongespräche könnte legal oder illegal auf Tonband oder auf andere Art aufgezeichnet werden. (Die gleichen Methoden könnten auch zum Abhören von Gesprächen in Bars, Restaurants, Ämtern usw. angewandt werden.) Man wird diese aufgenommenen Gespräche mit Hilfe von Computern auf Schlüsselwörter oder -sätze prüfen und die besonders interessanten Gesprächspartien zu weiteren Studienzwecken oder einfach zur Aufbewahrung speichern.“ (A.a.o. S.114)

Als Albtraum des 21. Jahrhunderts erscheint Kahn ein totales Überwachungs- und Kontrollsystem:

„Man wird im Jahre 2000 […] imstande sein, die gesamte Bevölkerung unter ständiger Aufsicht zu halten und alle Gespräche auf ›störende‹ Worte zu überprüfen. Es wird sich vielleicht zeigen, daß nur Menschen mit ungeheurem Vermögen […] die Möglichkeit haben werden, einem bestimmten Maß an Überwachung zu entgehen oder auf die Datenübermittlung Einfluß zu nehmen.“ (A.a.O. S. 342)

Es dürfte deutlich geworden sein, dass bereits viele Jahrzehnte vor der Erklärung Barlows Gefahren richtig vorausgesehen wurden, so dass man mindestens von Naivität oder Ignoranz ausgehen muss, wenn man die emanzipatorische Euphorie nachvollziehen möchte. Doch Barlow sind nicht nur politische Fehleinschätzungen vorzuwerfen, sondern auch ungenaue Begriffe.

Der Dualismus, durch den Cyberspace und realstaatliche Politik auseinandergetrieben werden, hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Weder ist die Politik kategorial der Physik zuzuschlagen, noch der Cyberspace der Metaphysik. Prinzip des Rechts und der Staatlichkeit ist nicht der Körper, sondern die Person. Und auch der Cyberspace lässt sich in seiner Materialität beschreiben und lokalisieren. Eine schroffe Gegenüberstellung von körperlicher Politik und immateriellem Cyberspace, wie Barlow sie trifft, greift also viel zu kurz.

Das Internet als Brandbeschleuniger der Globalisierung und Infrastruktur des neoliberalen Regimes

Gleichwohl ergibt die Programmatik der Erklärung vor einem anderen Hintergrund Sinn. Dazu muss man den Kontext ihrer Veröffentlichung hinzuziehen. Barlow hat sein Manifest beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgetragen, das sich vom Hyde Park in London z. B. dadurch unterscheidet, dass höchste Sicherheitsvorkehrungen dafür sorgen, dass ein Mitteilungsbedürfnis allein nicht ausreicht, um eine Sprecherposition einnehmen zu können. Mit anderen Worten kann man davon ausgehen, dass Barlow im Einverständnis – wenn nicht im Sinne – der Veranstalter gesprochen hat, die zu der Zeit das alternativlose Projekt der Globalisierung vorangetrieben haben. Aus dieser Warte erscheint die Cyberspace-Apologetik Barlows wie ein Brandbeschleuniger des neoliberalen Regimes.

So wenig das Netz zur Erfüllung emanzipatorischer Hoffnungen beitragen wollte, so sehr hat es zur Transformation von Gesellschaften, Kultur, Wirtschaft und Politik geführt im Hinblick auf mannigfaltige Deregulierungs- und Entgrenzungsphänomene: Barlows Unzuständigkeitsbehauptung gegenüber den nationalen Regierungen gilt nunmehr nicht nur für das Internet, sondern auch für klassische Felder der Politik, die den Kräften der globalen Märkte überantwortet werden sollen.

Der ortlosen Allgegenwart und der flüchtigen Dauer des Netzes, seiner Ort- und Zeitlosigkeit entspricht eine räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit. Die ortsabhängige zyklische Zeit von Tag und Nacht oder die Differenz von Wochenende und Arbeitstagen sind limitierende Faktoren der ›realen Welt‹, die ein Hindernis für transnationale Projektteams darstellen. Das Internet schläft nie und hält nicht inne vor dem Sakralen. Im Sinne von Ökonomisierung und Arbeit 4.0 wird die Produktivität einerseits global ausgestreut und digital vernetzt, andererseits werden auch die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, Arbeit und Familie, Mobilität und Sesshaftigkeit aufgehoben.

Unter der Chiffre ›Echtzeit‹ finden sich Beschleunigungstendenzen in Kommunikation und Transaktion, wie sie etwa bei der Verbreitung von Nachrichten zu beobachten sind, denen journalistische Sorgfaltspflicht kaum noch gewachsen sein kann, oder im Hochfrequenzhandel an der Wallstreet, wo sogar die Entfernung der Rechner zum Server einen Wettbewerbsvorteil bedeuten kann. Davon bleiben Menschen, politische Institutionen und Verfahren nicht unberührt. Angesichts der ›nervösen Märkte‹ während der Finanz-, Banken- oder Staatsschuldenkrise erschienen die Verfahren der Demokratie als zu langsam. Das Primat der Politik weicht dem Beschleunigungsdruck des informationellen Ökonomismus.

Eine weitere Tendenz der Entstaatlichung in der Verquickung von Cyberspace und neoliberaler Globalisierung zeigt sich in der Ohnmacht von Staaten, die Geltung von Datenschutz, Arbeitnehmerrechten oder Steuergesetzgebung gegen die transnationalen Konzerne durchzusetzen, oder auch in der Veränderung des Eigentumskonzeptes durch das Internet der Dinge oder durch digitales Rechtemanagement (DRM): Vernetzte Waschmaschinen, Fernseher, Heizungsthermostate oder Drucker werden zwar von Personen bezahlt, diese werden allerdings vom souveränen Eigentümer zum gegängelten Nutzer degradiert, da ihnen die volle Verfügungsgewalt über diese Dinge entzogen wird.

Konsequenzen für die Bildung

Computer, Smartphones und das Internet sind die ideale Infrastruktur einer neoliberalen, globalen Herrschaft. Diese Infrastruktur ermöglicht Überwachung, Kontrolle und Steuerung der Insassen, unterläuft demokratische Prozesse und staatliche Regulationen.

Die Lobbygruppen, die die Bildungspolitik beraten, wollen selbstverständlich auch Geräte verkaufen und dem Bildungswesen vorschreiben, die neuen Insassen der Industrie 4.0 zu formen.

Digitalisierung der Bildung muss vor diesem Hintergrund als ein interessengeleitetes Machtprojekt verstanden und kategorisch bekämpft werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Schule nicht gleichwohl Bildung am Gegenstand des Digitalen leisten sollte. Vermutlich reichen in den ersten sechs Schuljahren analoge Lehrmittel völlig aus, um die kognitiven, praktischen und persönlichkeitsbildenden Grundlagen für den Umgang mit der digitalen Welt zu schaffen.

Danach könnte man mediendidaktisch sorgsam beginnen, nicht nur konsumierenden, sondern auch kreativ produzierenden Umgang mit der Technik einzuüben. Wichtig wäre es, darüber hinaus die brennenden Fragen und Probleme, die mit der Digitalisierung verbunden sind, in verschiedenen Fächern zu reflektieren. Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, was Kybernetik ist, welche Überwachungstechniken es gibt, wie sozialtechnologische Steuerungen funktionieren, welche Gefahren autonome Tötungsentscheidungen in Drohnen darstellen, wie Hochfrequenzhandel funktioniert, was Big Data ist usf.

Nur durch Wissen, Können und Urteilskraft auch in diesen Bereichen kann ihre Mündigkeit und ihr Widerstand gegen den drohenden ökonomisch-digitalen Totalitarismus ermöglicht werden. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Volksvertreter aller Parteien den Ernst der Lage erkennen und sich kritisch mit den Einflüsterungen der Lobbygruppen auseinandersetzen.

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Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 21.07.2017 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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Allgemein

Chip unter der Haut – freiwillig Sklave

Chip unter der Haut – viele scheinbare Vorteile winken. Wer denkt schon daran, dass am Ende moderne Sklaverei winkt?

Chip unter der Haut

Chip unter der Haut
Bild aus Dystopia Watch, 12.11.2018

Diese Meldung kann wirklich unter die Haut gehen:

„Mittwoch, Dezember 1, 2021

Angesichts der Covid-Passpflicht lassen sich mehr Schweden einen Mikrochip implantieren.

Nach der Ankündigung Schwedens, die Forderung nach einem Coronavirus-Impfpass in die Praxis umzusetzen, ist die Zahl der Menschen, die sich einen Mikrochip unter die Haut implantieren lassen, laut lokalen Medien gestiegen.

Nach Angaben der Forscherin für digitale Kulturen, Moa Petersen, haben sich bisher rund 6.000 Menschen in Schweden einen Chip in die Hand einsetzen lassen. Petersen betonte, dass die Menschen mit Mikrochip-Implantaten dank der Radiofrequenz-Identifikationstechnologie, einem drahtlosen System aus Tags und Lesegeräten, keine Impfpässe, Schlüssel, Personalausweise und sogar Zugtickets mehr mit sich führen.“ (Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)

Vor drei Jahren waren es noch 4.000. Befürworter der Chips. Die Chips haben die Größe eines Reiskorns  und sollen angeblich nur schwer gehackt werden können. Eine Implantation unter die Haut in der Hand kostet rund 159 Euro.

RFID für Menschen

Auf diese Weise wird die RFID-Technologie für die Registrierung von Menschen genutzt – die sich das gar freiwillig antun. Der Chip empfängt und sendet Radiowellen, die Informationen ähnlich wie bei einem Barcode-Scanner übertragen.

Der britische Wissenschaftler Kevin Warwick war 1998 der erste Mensch weltweit, dem als Teil eines Experiments ein RFID-Implantat eingesetzt wurde.

Es scheint gerade angesichts der Corona-Maßnahmen sehr praktisch zu sein, wie ein Beitrag auf vice.com vom 09.11.2021 suggeriert:

„Doch als er am Veranstaltungsort ankam, ließ Dalaly seine Hand unter den Scanner gleiten – sehr zur Überraschung des Sicherheitsbeamten. In einer halben Sekunde blinkte irgendwo in seiner Haut ein grünes Licht auf, und der Scanner zeigte seine Vax-Daten an. Dalaly wurde eingelassen, ohne nach seinem Ausweis suchen zu müssen.“

Eine andere Sichtweise äußerte Joel Golby 2018 auf ein solches Verfahren:

„Was kommt jetzt, um uns zu töten? Wie der Guardian und der Telegraph berichten, befindet sich ein schwedisches Unternehmen namens Biohax in fortgeschrittenen Gesprächen mit einer Reihe britischer Firmen – einige davon mit Hunderttausenden von Beschäftigten, was die Sache wirklich auf ‚wahrscheinlich den NHS‘ eingrenzt -, um ihren Mitarbeitern reiskorngroße Mikrochips zu implantieren. Sowohl der größte britische Arbeitgeberverband CBI als auch die größte britische Gewerkschaft TUC haben gesagt – und ich paraphrasiere hier – ‚Scheiß drauf'“.

Ja, wer denkt schon daran, dass solch eine Anwendung gleichbedeutend ist mit Brandmarken, mit denen seit dem Altertum häufig Eigentümer ihren lebenden Besitz kennzeichneten? Damit war für alle offensichtlich, wem die Herde gehörte. Oder ein Sklave, denn auch diesen wurde das Zeichen ihres Besitzers mitunter unauslöschlich in die Haut tätowiert. Nun stehen wir vor einer weltweiten Markierung der Menschen mit den Brandmarken des 21. Jahrhunderts. Das Verfahren ist — wie nicht anders zu erwarten im Digitalisierungszeitalter — elektronisch. Corona-Tracking-Apps sind nur ein erster Vorbote dieses Trends, dem sich viele Zeitgenossen erstaunlich willig hingeben.

Job als Automatisierungsprofi


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Mensch – Maschine – Zukunft

Der Mensch in der Maschine

Die drohende Dystopie ist nicht von außen über uns hereingebrochen — wir haben sie durch unser mechanistisches Denken selbst erschaffen.

von Thomas Damberger

Die Verschmelzung von Mensch und Maschine nimmt rapide zu. Über uns entfaltet sich in diesen Tagen der von Elon Musk neu bestirnte Himmel, und in uns arbeitet zunehmend eine Technologie, die uns einer alles umspannenden Maschine ins Netz gehen lässt. Der Körper avanciert zum Datenproduzenten, zum Rohstofflieferanten. Und der ständig produzierte und abgegriffene Datenrohstoff wird von sehr großen und sehr einflussreichen Konzernen weiterverarbeitet und zu Geld gemacht. Der folgende Beitrag zeigt auf, warum unser Denken eine sich zunehmend realisierende Dystopie erzeugt.

Die Maschine steht still

Vor mehr als 100 Jahren, um genau zu sein im Jahre 1909, veröffentlichte der britische Autor Edward Morgan Forster eine Erzählung mit dem Titel The Machine Stops. Forster beschreibt darin eine dystopische Zukunftsvision, in der ein Leben auf der Erdoberfläche nicht mehr möglich ist. Die Welt liegt in Schutt und Asche, Bäume existieren nicht mehr, und die Luft besteht aus giftigen Gasen. Die Menschen leben in Forsters Erzählung nicht mehr auf der Erde, sondern in unterirdischen Zimmern. Eine Maschine teilt jedem Menschen, sobald er das Erwachsenenalter erreicht hat, ein solches Zimmer zu. Dort verbringt er den Rest seines Lebens, fast gänzlich von allen anderen isoliert, aber dennoch nicht ganz allein.

Die Menschen nämlich stehen durch die Maschine miteinander im ständigen Kontakt. Dabei erweist sich die Maschine nicht nur als Kommunikationsmedium, sondern sorgt darüber hinaus auch für Nahrung, ausreichend frische Luft, für Musik, Bett und Badewanne. Und mehr noch: Wer sich mit wem fortpflanzen darf, wird von der Maschine entschieden — wobei offen bleibt, ob sich der Fortpflanzungsakt als ein natürlicher oder ein technischer Vorgang darstellt. Welches Kind sich letztlich als hinreichend geeignet erweist, um Leben bleiben zu dürfen, bleibt gleichsam der Maschine überlassen. Und nur die geeigneten Kinder dürfen — fern ab von Mutter und Vater — in Erziehungsanstalten aufwachsen, um anschließend einem frei gewordenen Zimmer zugeteilt zu werden.

Am Ende des Lebens bleibt den Menschen die Möglichkeit, einen Antrag auf „den guten Tod“ zu stellen, der von der Maschine genehmigt oder abgelehnt werden kann.

Direkte, unmittelbare Erfahrungen spielen in Forsters Dystopie kaum eine Rolle. Man versucht, Derartiges zu vermeiden, und ist es trotz allem einmal nötig, schauen sich die Menschen nicht in die Augen und bemühen sich, dass es möglichst zu keinen körperlichen Berührungen kommt. Überhaupt werden die durch Bewegungsmangel beeinträchtigen und im künstlichen Licht herangezüchteten Leiber mit fortgeschrittenem Alter als haarlose, zahnlose, in Tüchern gewickelte Fleischberge bezeichnet.

Es herrscht sehr wohl ein Bewusstsein darüber, dass die alles steuernde und kontrollierende Maschine einst von Menschen erbaut wurde. Aber weder ihre Funktionsweise noch der Umfang ihrer Macht wird begriffen. Gottähnlich spreizt sie sich auf, durchdringt alles, bis sich nach und nach immer mehr Fehler im System auftun. Zunächst ungläubig, später dann hilflos und ohnmächtig schauen die Menschen zu, wie ihre einst durchorganisierte und dabei doch unverstandene Welt in kürzester Zeit zusammenbricht. Am Ende steht die Maschine und damit das Leben der Menschen still.

Was Forster als Maschine beschreibt, ist im Wesentlichen das, was wir gegenwärtig als Computer kennen. Das permanente Vernetztsein und die durch die Maschine stattfindende Kommunikation entspricht dem heutigen Internet, und die automatisiert arrangierte Musik, die Frischluftzufuhr und so weiter deuten auf das, was wir im 21. Jahrhundert mit dem Begriff Internet der Dinge versehen haben. Die Technik aus Forsters Erzählung ist heute im Wesentlichen Realität geworden. In einer Dystopie, in der die Maschine allmächtig geworden ist, leben wir allerdings nicht — so zumindest scheint es.

Die allumfassende Maschine

Schauen wir genauer hin. Im Jahr 1946 wurde mit ENIAC (Electronic Numerical Integrator and Computer) der erste vollelektronische Computer präsentiert. Es handelt sich um eine an der Universität von Pennsylvania entwickelte Rechenmaschine, die mit unseren heutigen Vorstellungen von Computern wenig Ähnlichkeit hat. ENIAC besaß weder einen Bildschirm noch eine Tastatur oder eine Maus, sondern ähnelte vielmehr dem Serverraum eines Großrechners. Wollte man ENIAC programmieren, so betrat man einen Raum, der aus einer beachtlichen Anzahl an Modulen und Kabeln bestand, an denen man körperlich Hand anlegen musste. Programmieren fand in den 1940er-Jahren also tatsächlich im Computer statt.

Das änderte sich spätestens in den 1970er-Jahren. Als der Apple I 1976 für den bemerkenswerten Preis von 666 US-Dollar auf den Markt kam, hatte man es im Grunde mit dem zu tun, was wir heute als Personal Computer (PC) kennen. Der Mensch war beim Bedienen der Maschine nun nicht mehr im, sondern vor dem Computer. Über eine Tastatur wurden Daten eingegeben, und das Gerät als datenverarbeitende Maschine stellte etwas mit diesen Daten an.

Unsere heutigen Computer sind sehr viel leistungsfähiger als ENIAC oder die PCs aus den 1970er-Jahren. Sie sind darüber hinaus auch in kleiner, handlicher Form als Tablets oder Smartphones, das heißt als Mobile Devices vorhanden. Sie begleiten uns zuweilen selbst ins Bett und auf die Toilette. Aber noch immer geben wir Daten in die Geräte ein, und die Geräte machen etwas mit diesen Daten. All das ist zutreffend, aber eben doch nur die halbe Wahrheit.

Längst ist das Internet (fast) allgegenwärtig und das Online-Sein zum Normalzustand geworden. Hinzu kommt, dass wir auch die kleinen, smarten, mobilen Computer mit zahlreichen Sensoren ausgestattet haben, die sich, wann immer man sie lässt, Daten holen und weiterleiten. Selbst Experten wissen kaum darüber Bescheid, welche Daten wann erfasst und an wen diese Daten weitergeleitet werden, auf welchen Servern sie landen, in welchen Ländern diese Server stehen, wie viele Kopien dieser Server existieren, welche Algorithmen diese Daten auswerten, an wen welche Daten weitergeben beziehungsweise weiterverkauft werden, was mithilfe dieser Daten an Steuerungs- und Kontrollprozessen stattfindet und nach welcher Rechtsprechung dies alles im Einzelnen vonstattengeht.

Wir könnten möglicherweise einen Eindruck von einigen der genannten Aspekte erhalten, wenn wir die AGBs sorgfältig durcharbeiten und dies bei jedem Update eines jeden Programms stets mit großer Sorgfalt wiederholen würden. Dass kaum jemand sich diese Mühe macht und der Aufwand darüber hinaus aufgrund des Umfangs, der Komplexität und der nur kurzzeitigen Aktualität der Nutzungsbedingungen auch nur bedingt sinnvoll wäre, liegt auf der Hand. Damit aber müssen wir uns die Frage stellen, inwiefern wir, die wir über einem Jahrhundert nach The Maschine Stops leben, tatsächlich mehr von der Maschine verstehen, wie die Protagonisten in Forsters Erzählung. Anders formuliert und durchaus rhetorisch gefragt:

Können wir, angesichts der Macht der gegenwärtig vorherrschenden Maschine, mit der wir heutigen Menschen es zu tun haben, tatsächlich behaupten, mündig zu sein?

Luciano Floridi, Informationsethiker an der Universität Oxford, sieht in Ansätzen eine Parallele zu den 1940er-Jahren gegeben. Ähnlich wie sich damals der Mensch im Computer aufhielt, um ihn programmieren zu können, sind wir heute als Menschheit wieder im Computer gelandet. Allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass wir den Computer niemals bewusst betreten haben. Vielmehr haben wir die Welt zu einer mehr und mehr umfassenden und durchdringenden Maschine transformiert. Schon 2015 legte eine im Auftrag des Weltwirtschaftsforums (WEF) durchgeführte Studie des Global Agenda Council on the Future of Software and Society nahe, dass bis 2025 rund eine Billion Sensoren mit dem Internet verbunden sein werden. Hinzu kommt, dass zunehmend als eine Herausforderung erlebt werden kann, Haushaltsgeräte zu erstehen, die nicht in irgendeiner Weise smart, das heißt, mit dem Netz verbunden sind.

Das Projekt Starlink, hinter dem das von Elon Musk geleitete Unternehmen SpaceX steht, hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit für eine schnelle Internetverbindung zu sorgen. Bereits Mitte 2021 befanden sich rund 1.700 Starlink-Satelliten im Erdorbit, bis 2027 sollen weitere 12.000 hinzukommen. Zusätzliche 30.000 Satelliten sind bereits beantragt worden. Die Welt, wie wir sie kennen, wird damit mehr und mehr zu einem kybernetischen System. Der Begriff Kybernetik, der in dem Wort Cyberspace immer noch anklingt, ist eine Wortneuschöpfung und geht zurück auf den US-amerikanischen Mathematiker Norbert Wiener. In seinem 1948 erschienenem Buch Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine betont der MIT-Professor, dass unter Kybernetik drei Aspekte zu verstehen sind: Es geht um Steuerung, um Feedback und um die Verschmelzung von Mensch und Maschine.

Der deutsche Philosoph Gotthard Günther hat etwa ein Jahrzehnt später in Das Bewusstsein der Maschinen. Eine Metaphysik der Kybernetik den Computer als transklassische Maschine beschrieben. Im Unterschied zur klassischen Maschine, zum Beispiel einer Waschmaschine, einer Bohrmaschine oder auch einem Drucker, verändert die transklassische Maschine nicht unmittelbar etwas in der Welt, sondern greift steuernd auf die klassische(n) Maschine(n) zu. Hierfür ein Beispiel: Ein an den Computer angeschlossener Drucker kann erst dann etwas drucken, wenn ein entsprechender Treiber installiert ist. Ein Treiber ist nichts anderes als ein Computerprogramm. Das Wort Programm wurzelt im altgriechischen prógramma und bedeutet Vorschrift. Die eigentliche transklassische Maschine ist daher das Computerprogramm, denn dieses schreibt den angeschlossenen und mit ihm verbundenen Geräten vor, was diese zu tun haben. Das beste Smartphone ist trotz funktionsfähiger, hochleistungsfähiger Hardware zu nichts zu gebrauchen, wenn das Programm nicht (mehr) funktioniert.

Angeschlossen an die transklassische Maschine ist alles, was mit Chips und Sensoren ausgestattet und auf diese Weise vernetzt ist. Bereits im Jahr 2000 hat Raymond Kurzweil, Transhumanist und seit 2012 Leiter der technischen Entwicklung bei Google, eine für damalige Zeiten nach Science-Fiction anmutende Entwicklung prognostiziert. Zunächst werden wir erleben, so Kurzweil, dass die Technik nahe am Körper sein wird, anschließend wird sie in den Körper wandern, und zuletzt werden Nanobots direkt mit dem menschlichen Gehirn verbunden sein. Etwa sieben Jahre nach Kurzweils Ankündigung wurde in den USA die Quantified Self-Bewegung ins Leben gerufen, die sich mittlerweile über den gesamten Globus ausgebreitet hat. Mithilfe von Fitnessarmbänder, Smartwatches und spezifischen Apps werden Körper-, Bewegungs- und Verhaltensdaten erfasst, um auf diese Weise — so die Intention — eine Selbsterkenntnis durch Zahlen zu erlangen. Die ersten Unternehmen produzieren bereits Kleidung mit leitfähigem Garn und integrierten Sensoren. Die Technik ist uns also in Form von Wearables und e-Textiles mittlerweile in der Tat auf den Leib gerückt.

Mitte 2020 veröffentlichte das WEF ein Briefing-Papier und spricht darin von der Zukunft des Internet of Bodies (deutsch: Internet der Körper). Die Erweiterung des Netzes wird im genannten Papier als das „Internet of Nano-Things and Wireless Body Area Networks“ verstanden. Der Körper gilt hier ausdrücklich als eine Technologieplattform, die es zu überwachen, analysieren und modifizieren gilt. Und all das soll nicht erst geschehen, sondern es findet bereits statt, indem längst schon nicht-invasive und wenig-invasive Methoden zum Einsatz kommen.

Zu den nicht-invasiven Varianten gehören die schon erwähnten Wearables — Smartwatches, Fitnessarmbänder, aber auch elektronische Hautpflaster, in die Kleidung vernähte Mikrochips et cetera. Wenig invasiv sind hingegen Smart-Pills, also Tabletten, die mit Chips versehen sind, um Daten aus dem Inneren des Körpers senden und gegebenenfalls an einer ganz bestimmten Stelle ihren Wirkstoff entfalten zu können. RFID-Chips, die in der Regel subkutan in die Hand injiziert werden, Insulinpumpen und smarte Implantate gehören ebenfalls mit dazu.

Der Körper avanciert zum Datenproduzenten, zum Rohstofflieferanten. Und der ständig produzierte und abgegriffene Datenrohstoff wird von sehr großen und sehr einflussreichen Konzernen weiterverarbeiteten und zu Geld gemacht.

Das Internet of Bodies bedeutet aber nicht nur, dass der Mensch Daten produziert, sondern schließt ein, dass auf Basis der produzierten und ausgewerteten Daten Steuerungsprozesse stattfinden. Dies kann durch personalisierte Werbung oder Bildungsangebote erfolgen, zum Beispiel in Form individueller Curricula, die auf die Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit der jeweiligen Schüler abgestimmt sind und zudem ständig (on the fly) aktualisiert werden, aber auch durch automatisiertes Aktivieren der Insulinpumpe. Im Ingenieurwesen spricht man von Predictive Maintenance (deutsch: vorausschauende Wartung), womit eine permanente, in Echtzeit stattfindende Kontrolle eines Systems gemeint ist. Das System, von dem im Zuge des Internets of Bodies die Rede ist, heißt Mensch. Und ein Mensch, der als Gegenstand eines solchen kybernetischen Systems verstanden wird, ist ein kybernetischer Organismus (englisch: cybernetic organism) — kurz: Cyborg.

Wir sehen also, dass Kurzweil mit zwei Ankündigungen recht behalten hat: Die Technik ist uns nahe, und sie dringt zunehmend in unseren Körper ein. Inwiefern die Maschine sich via Nanotechnologie direkt mit unserem Gehirn zu verbinden vermag, ist derzeit schwer einzuschätzen. Dass grundsätzlich und ganz ohne Nanotechnologie aus der Ferne auf unser Gehirn zugegriffen werden kann, wurde indessen in den vergangenen Jahren im Rahmen zahlreicher Studien nachgewiesen. Wissenschaftler der Duke Universität im amerikanischen Durham (North Carolina) haben 2014 erfolgreich Probanden unter anderem mithilfe transkranieller Magnetstimulation Gedanken von einem Gehirn zum anderen übertragen lassen. An der Universität von Washington ist es im selben Jahr gelungen, dass ein Mensch per Gedankenkraft — und mithilfe technischer Unterstützung — einen Körperteil eines anderen Menschen steuern konnte, der sich etwa eine halbe Meile entfernt in einem anderen Gebäude befunden hat. In beiden Fällen handelt es sich um Experimente, die nunmehr mehr als sieben Jahre alt sind und deren Ergebnisse in renommierten Fachzeitschriften publiziert wurden.

Die Macht der Maschine

Noch einmal die Frage: Gibt es heute Nanobots, mit deren Hilfe auf das menschliche Gehirn zugegriffen werden kann? Ein solcher Zugriff würde jedenfalls die Frage nach dem freien Willen in besonderer Weise tangieren. Kurzweil, der im Rahmen eines in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Interviews vor mittlerweile mehr als 20 Jahren genau danach gefragt wurde, unterstreicht: „Ich sage doch nicht, dass wir uns entscheiden können, ob diese Technologien entstehen. Ich sage: Diese Technologien werden mit Sicherheit noch zu unseren Lebzeiten entstanden sein.“ Dass im Vorfeld, das heißt vor der Entwicklung oder vor dem Einsatz einer solchen Technologie ein öffentlicher, von Transparenz getragener und ergebnisoffener Diskurs stattfinden wird, kann in Anlehnung an Kurzweil als unwahrscheinlich angenommen werden.

Das Problem liegt allerdings nicht allein darin, dass es Machtinteressen gibt, die einem solchen Diskurs entgegenstehen. Es besteht vielmehr darin, dass wir in uns selbst diese Macht permanent nähren; und ihre Nahrung erhält sie durch unser verstandesfokussiertes, berechnendes Denken, dass alles begreifen und nichts sein lassen will.

Dieses Denken treibt sich in Form des nahezu alles umfassenden und durchdringenden Computers, dem immer mehr von der Welt — einschließlich des Menschen — ins Netz geht, selbst auf die Spitze. Das berechnende Denken findet sich im Management der Big-Tech-Unternehmen genauso wieder, wie in dem zum Homo oeconomicus herangezüchteten Schul- oder Hochschulabsolventen, von dem erwartet wird, ständig und überall darauf bedacht zu sein hat, den eigenen Marktwert festzustellen und zu erhöhen. Es erscheint dabei nur allzu konsequent, mit Fitnesstracker die körperliche Leistungsfähigkeit bis hin zum Schlafrhythmus erfassen und auswerten zu lassen, auf Social-Media-Plattformen durch entsprechende Posts möglichst viele Likes, Herzen, Thumbs up oder Retweets zu generieren und gegebenenfalls auf Online-Partnerbörsen — durchaus auch während einer Beziehung — den eigenen Marktwert beim anderen (oder wahlweise eigenen) Geschlecht zu überprüfen und zu optimieren.

Wert hat das Fassbare, Sichtbare, Darstellbare, dass idealerweise auf Zahlen, die nur scheinbar für sich sprechen, heruntergebrochen werden kann. Was unbegreifbar ist, was zwischen Sein und Nichts als im wahrsten Sinne des Wortes Interessantes, als Möglichkeit (in Abgrenzung zur Wahrscheinlichkeit) währt, was sich also dem Zugriff grundsätzlich entzieht, wird von unserem Denken zu nichts gemacht und kann daher mithilfe der Maschine, die unser Denken hervorbringt, auch nicht abgebildet werden.

Das verstandesmäßige, berechnende Denken, das nichts außer sich selbst gelten lässt, kann nicht davon ablassen, auf alles Zugreifbare früher oder später auch tatsächlich zuzugreifen. Es duldet kein Seinlassen, es strebt nach Macht um der Macht willen. Das betrifft Elon Musk und Jeff Bezos ebenso wie Lieschen Müller und Hänschen Meier. Und daher hat Kurzweil recht: Die Technologie, die uns direkt über das Gehirn an die Maschine anschließt, wird kommen, weil unsere Bildung und unser Denken diesen Anschluss vorbereiten.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 23.11.2021 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.


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